Die Verfugung bildet die Schnittstelle zwischen Bauteilen und Materialien. Sie sorgt für Dichtigkeit, Lastübertragung und definierte Bewegungsfreiheit – und sie bestimmt maßgeblich die Dauerhaftigkeit von Mauerwerk, Betonbauteilen und Natursteinfassaden. Im Rückbau und im Betonabbruch ist die Fuge zugleich eine natürliche Trenn- und Schwächungszone, entlang derer Bauteile gezielt gelöst werden können. Dieses Doppelgesicht macht die Verfugung sowohl im Neubau als auch im Spezialrückbau zu einem Thema mit hoher praktischer Relevanz. Werkzeuge wie Betonzangen für den Betonrückbau oder Stein- und Betonspaltgeräte im Rückbau nutzen Fugenverläufe im konstruktiven Beton, im Mauerwerk oder im Naturstein, um Bauteile kontrolliert zu lösen und angrenzende Strukturen zu schützen – insbesondere in sensiblen Bereichen wie Entkernung, Tunnelbau, Natursteingewinnung und Sondereinsätzen.
Definition: Was versteht man unter Verfugung
Unter Verfugung versteht man das gezielte Ausbilden, Füllen oder Abdichten von Fugen zwischen Bauteilen oder innerhalb eines Bauteils. Je nach Funktion unterscheidet man beispielsweise Arbeitsfugen, Bewegungs- bzw. Dehnfugen, Anschlussfugen, Pressfugen und Kontrollfugen. Verfugungen können formschlüssig (mit Mörtel), abdichtend (mit elastischen Dichtstoffen oder Fugenbändern) oder kombiniert ausgeführt werden. Sie übernehmen Aufgaben wie Abdichtung gegen Wasser, Ausgleich von Bauteilbewegungen, Schallschutz, Brandschutzanforderungen im System sowie die qualifizierte Lastverteilung an Fugenflanken. Im Stahlbetonbau treten zusätzlich statisch wirksame Fugen auf, die Bewehrungskontinuität und Verbund berücksichtigen müssen.
Fugenarten, Funktionen und baupraktische Bedeutung
Die Wahl der Fugenart ergibt sich aus Nutzung, Beanspruchung und Bauweise. Wichtig ist die Abstimmung zwischen Geometrie, Fugenbreite und -tiefe, Werkstoff der Verfugung und den angrenzenden Baustoffen.
Häufige Fugenarten
- Arbeitsfugen: Unterbrechungen im Betonierablauf; brauchen definierte Oberflächenvorbereitung und ggf. Fugenbänder oder Injektionsschläuche.
- Bewegungs-/Dehnfugen: Nehmen Temperatur- und Schwindenlängenänderungen auf; werden meist elastisch verfugt (z. B. mit geeigneten Dichtstoffen und Hinterfüllmaterial).
- Anschlussfugen: Übergänge zwischen unterschiedlichen Baustoffen (Beton – Mauerwerk – Naturstein – Metall); erfordern abgestimmte Haftvermittlung.
- Kontroll- und Scheinfugen: Gesteuerte Rissbildung und Trennschnitt in Betonflächen, oft mit Fugensäge hergestellt und anschließend abgedichtet.
- Press- und Trockenfugen im Naturstein: Kraftschlüssige Fugen bei Werkstein und Pflaster; häufig mit mineralischem Fugenmörtel oder Verkeilung ausgeführt.
Rolle im Rückbau und bei Abbruch
Fugen kennzeichnen Schwächungslinien, die im Rahmen von Betonabbruch und Spezialrückbau Projekten genutzt werden, um Bauteile segmentweise zu lösen. Betonzangen greifen bevorzugt an Fugen und Kanten an, um kontrolliert zu zerkleinern. Stein- und Betonspaltgeräte können entlang von Fugenrissen und Schnitten Spannungen aufbauen, die Bauteile ohne Erschütterungen trennen – ein Vorteil in sensiblen Umfeldern wie Krankenhäusern, Laboren oder denkmalgeschützten Strukturen.
Materialien und Systeme für die Verfugung
Die richtige Stoffwahl richtet sich nach Beanspruchung, Feuchte, chemischer Exposition und Bewegungsaufnahme.
- Zementäre Fugenmörtel: Für Mauerwerk, Pflaster, Naturstein; fest, mineralisch, bedingt wasseraufnahmefähig; bei Bedarf frost-/tausalzbeständig.
- Polymermodifizierte Mörtel und Reaktionsharze (z. B. Epoxidharz): Hohe Abriebfestigkeit, chemische Beständigkeit, dichte Fuge; häufig in Industrieböden und hoch beanspruchten Bereichen.
- Elastische Dichtstoffe (z. B. SMP-/PU-/Silicon-Systeme): Für Bewegungs- und Anschlussfugen; benötigen Hinterfüllmaterial (Rundschnur), definierte Fugenflanken und Primer gemäß Herstellerangaben.
- Fugenbänder und -profile: Für Arbeits- und Dehnfugen in wasserbelasteten Bereichen; können innen- oder außenliegend sein und werden in den Betonquerschnitt eingebunden.
- Injektionssysteme: Zur nachträglichen Abdichtung oder Sanierung von Undichtigkeiten, insbesondere an Arbeitsfugen und Rissen.
Kompatibilität und Randbedingungen
Entscheidend sind Haftzug, Verformungsvermögen, Temperatur- und UV-Beständigkeit sowie chemische Verträglichkeit mit angrenzenden Baustoffen. Bei WU-Beton sind besondere Regeln für Fugenabdichtungen zu beachten. Hinweise in Normen und Regelwerken sind grundsätzlich zu berücksichtigen, ohne den Einzelfall zu ersetzen.
Ausführung: Vorbereitung, Verfugen und Nachbehandlung
Eine fachgerechte Verfugung folgt einem klaren Ablauf. Die Qualität entsteht in der Vorbereitung und in der Einhaltung der Umgebungsbedingungen.
Vorbereitung
- Fugenflanken reinigen, tragfähige, staub- und fettfreie Oberflächen herstellen; lose Bestandteile entfernen (z. B. durch Fugenfräsen oder Sandstrahlen je nach Untergrund).
- Geometrie prüfen: Fugenbreite/-tiefe, Fugenverlauf, Bewegungsaufnahme; ggf. Hinterfüllmaterial (geschlossenzelliger Rundschnur) einbringen.
- Haftverbesserung: Primer systemgerecht auftragen, Trocknungszeiten beachten.
Einbau
- Mörtelfugen: Mörtel homogen anmischen, in die Fuge einschlämmen oder satt einpressen, Oberfläche profilgerecht ausformen (glatt, bündig, hohlkehle, besandet).
- Elastische Fugen: Dichtstoff blasenfrei einbringen, Fugenspiegel mit geeignetem Werkzeug glätten; Dreiflankenhaftung vermeiden.
- Fugenbänder/-profile: Lage sichern, Einbindung kontrollieren, Stöße gemäß Systemvorgabe schweißen/kleben.
Nachbehandlung und Kontrolle
- Aushärtung vor mechanischer Belastung schützen, klimatische Bedingungen (Temperatur, Feuchte, Wind) beachten.
- Sichtprüfung, ggf. Haftzug- oder Stichprobenprüfungen; Dokumentation mit Fotos und Messwerten.
- Ränder und Anschlussbereiche regelmäßig inspizieren, um frühzeitig Sanierungsbedarf zu erkennen.
Verfugung im Kontext von Betonabbruch, Entkernung und Schneiden
Im Rückbau definiert die Fuge Reihenfolge und Methodik des Trennens. Ziel ist, Bauteile vibrationsarm, staubarm und kontrolliert zu lösen, um angrenzende Bauteile zu schützen.
Planung des Trennkonzepts
- Fugenverlauf erfassen: Bestandspläne prüfen, Öffnungen sondieren, Fugen freilegen.
- Kombination aus Fugenschnitt, Zerkleinerung und Spalten definieren.
- Bewehrungslagen berücksichtigen; Schnittstellen zu Stahlbauteilen einplanen.
Gerätebezug und Vorgehen
- Betonzangen: Eignen sich zum gezielten Abbeißen entlang Fugen und Kanten. In Kombination mit Trennschnitten lassen sich Bauteile abschnittsweise lösen.
- Stein- und Betonspaltgeräte sowie Steinspaltzylinder: Nutzen Fugen, Bohrungen oder natürliche Klüfte zur kontrollierten Spaltwirkung – vorteilhaft bei sensiblen Umgebungen.
- Kombischeren und Multi Cutters: Schneiden Einbauteile, Profile und Bewehrung, sobald Fugen geöffnet sind.
- Stahlscheren: Für freigelegte Bewehrungen und Stahlträger an Fugenstößen.
- Hydraulikaggregate: Versorgen die hydraulischen Werkzeuge; Fördermenge und Druck an Bauteildicke und Arbeitsabfolge anpassen.
Bei Entkernung und Schneiden werden Fugen gezielt geöffnet, um Bauelemente selektiv zu trennen. Fugenschnitte reduzieren Zwangsspannungen; anschließend kann mit Betonzangen oder Spaltgeräten abschnittsweise gelöst werden – ein Vorgehen, das Erschütterungen minimiert und die Umgebung schont.
Verfugung, Fugensanierung und Instandhaltung
Fugen altern durch Bewegung, Witterung, chemische Einflüsse oder mechanische Beanspruchung. Eine strukturierte Fugensanierung erhält Dichtigkeit und Funktion.
Typische Schadensbilder
- Randabrisse und Haftungsstörungen an Fugenflanken
- Risse, Versprödung oder Schrumpfung des Dichtstoffs
- Ausblühungen und Verfärbungen bei mineralischen Fugen
- Hohllagen, Wassereintrag, biologische Bewuchsbildung
Sanierungsablauf
- Schadensanalyse und Ursachenklärung (Bewegung, Last, Feuchte, Chemie).
- Rückbau der alten Fuge: Auskratzen, Fräsen, Schneiden – bei massiven Fugenöffnungen kann das Abbeißen mit Betonzangen oder Spalten entlang Schwächungslinien unterstützen.
- Neuaufbau gemäß System: Flanken vorbereiten, Hinterfüllung erneuern, Dichtstoff/Mörtel fachgerecht einbringen.
- Qualitätssicherung und Wartungsintervall festlegen.
Fugen und Verfugung in Felsabbruch, Tunnelbau und Natursteingewinnung
Im Fels ist die „Fuge“ die geologische Trennfläche: Klüfte, Schichtungen und Risse. Diese natürlichen Schwächezonen bestimmen Abbau, Stabilisierung und Abdichtung.
- Felsabbruch und Tunnelbau: Natürliche Fugen werden durch Bohrbilder und Spaltverfahren genutzt. Stein- und Betonspaltgeräte bzw. Steinspaltzylinder erzeugen kontrollierte Spaltvorgänge entlang Klüften – ein Verfahren, das Erschütterungen reduziert und damit Nachbarbauwerke schont.
- Natursteingewinnung: Blockabtrennung folgt dem Fugenbild des Gesteins. Nach der Gewinnung werden Werksteine je nach Einsatz mit Press- oder Mörtelfugen versetzt; die Wahl der Verfugung beeinflusst Optik, Kapillarität und Dauerhaftigkeit.
- Sondereinsatz: In sensiblen Bauwerken, etwa im Bestand mit begrenzten Toleranzen, kann die Kenntnis von Fugenverläufen über Erfolg und Sicherheit entscheiden. Das Zusammenspiel aus Fugenschnitt, Spalten und Greifen ermöglicht präzise Bauteiltrennung.
Qualität, Prüfungen und Dokumentation
Eine belastbare Verfugung wird geplant, ausgeführt und dokumentiert. Dazu gehören definierte Prüfmerkmale und Abnahmen.
- Planung: Fugenraster, Breiten-/Tiefenverhältnisse, Bewegungs- und Belastungsannahmen, Klimabedingungen.
- Prüfung: Sicht, Maß, Adhäsion (z. B. Haftzugstichproben), Oberflächengüte, Dichtigkeitstests im System.
- Dokumentation: Materialchargen, Umgebungsbedingungen, Verarbeiter, Fotodokumentation; bei Rückbau zusätzlich Segmentierungs- und Trennkonzept.
Arbeitsschutz, Gesundheit und Umwelt
Bei Verfugungsarbeiten und beim Öffnen von Fugen sind Staub, Lärm, Vibrationen und chemische Exposition zu minimieren. Persönliche Schutzausrüstung, Absaugung, emissionsarme Verfahren und eine sichere Baustellenlogistik sind wesentlich. Beim Rückbau helfen vibrationsarme Methoden wie Spalttechnik und das gezielte Arbeiten mit Betonzangen, Beeinträchtigungen zu reduzieren. Entsorgung und Recycling des Fugenmaterials sind nach geltenden Vorgaben zu planen und umzusetzen. Rechtliche Anforderungen und Normen sind zu beachten; verbindliche Bewertungen bleiben dem jeweiligen Projektvorbehalt vorbehalten.
Schnittstellen zu Ausrüstung und Bauablauf
Verfugung und deren spätere Öffnung oder Sanierung sind eng mit der Wahl der Ausrüstung verbunden. Hydraulische Werkzeuge für das Greifen, Spalten und Schneiden werden über Hydraulikaggregate versorgt; Fördermenge und Druck sind auf den Arbeitsschritt abzustimmen. Kombischeren, Multi Cutters, Stahlscheren und – bei Stahlkomponenten – spezielle Schneidwerkzeuge kommen zum Einsatz, wenn Fugen den Zugang zu Einbauteilen und Bewehrungen freilegen. Eine abgestimmte Reihenfolge der Arbeitsschritte reduziert Stillstand, Nacharbeit und Risiken.
Typische Planungsentscheidungen rund um Fugen
- Fugenraster festlegen: Bewegungs- und Setzungsannahmen, Bauteilgeometrie, Temperaturführung.
- Systemwahl: Mineralischer Mörtel, elastischer Dichtstoff, Fugenband, Injektion – jeweils passend zur Beanspruchung.
- Untergrundvorbereitung: Haftflächen, Kantenfasen, Oberflächenrauheit, Restfeuchte.
- Rückbaukonzept: Fugen als Trennlinien nutzen; Kombination aus Fugenschnitt, Spalten und Zerkleinerung mit Betonzangen einplanen.





















