Ziegelstein ist einer der ältesten und vielseitigsten Baustoffe. Er prägt Fassaden, tragende Wände, Gewölbe und Innenwände im Neubau wie im Bestand. In Rückbau, Sanierung und beim Herstellen von Öffnungen stellt Ziegelmauerwerk besondere Anforderungen: Es ist druckfest, aber spröde, die Fugen sind oft schwächer als der Stein. Für das selektive Trennen und den kontrollierten Abbau kommen daher häufig hydraulische Werkzeuge zum Einsatz. In vielen Situationen lassen sich Betonzangen für Ziegelanwendungen und Stein- und Betonspaltgeräte im Rückbau – abhängig vom Wandaufbau – gezielt nutzen, um erschütterungsarm, präzise und mit reduziertem Staubaufkommen zu arbeiten.
Definition: Was versteht man unter Ziegelstein
Unter Ziegelstein versteht man einen Mauerziegel aus gebranntem Ton oder tonigen Rohstoffen. Ziegel werden bei hohen Temperaturen gebrannt und erreichen dadurch ihre charakteristische Festigkeit und Dauerhaftigkeit. Sie werden als Vollziegel oder Lochziegel (Hochlochziegel, Lochhochziegel) hergestellt, als Sichtziegel (z. B. Klinker) oder als Hintermauerziegel eingesetzt. Die maßgebenden Produkteigenschaften – etwa Rohdichte, Druckfestigkeit, Wasseraufnahme und Frostbeständigkeit – sind normativ beschrieben. Im Bauwerk werden Ziegelsteine mit Mörtel zu Mauerwerk gefügt; das Tragverhalten ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Stein und Fuge.
Herstellung, Eigenschaften und Formate von Ziegelsteinen
Ziegelsteine bestehen überwiegend aus Ton, Lehm und mineralischen Zuschlägen. Nach dem Formen (Strangpressen, Handstrich, Pressziegel) werden sie getrocknet und bei etwa 900–1.200 °C gebrannt. Moderne Lochziegel sind häufig porosiert, um Gewicht zu reduzieren und die Wärmedämmung zu verbessern. Wichtige Eigenschaften:
- Druckfestigkeitsklassen: je nach Anwendung, typischerweise im Bereich 6–20 N/mm² für Mauerziegel, deutlich höher bei Klinkern.
- Rohdichte: beeinflusst Tragfähigkeit, Schallschutz und Wärmespeichervermögen.
- Wasseraufnahme und Frostbeständigkeit: maßgebend für Außenmauerwerk und Sockelbereiche.
- Brandverhalten: Ziegel ist nicht brennbar und temperaturbeständig.
Gängige Formate sind NF, DF, 2DF, 3DF bis hin zu großformatigen Planziegeln. Mit Dünnbettmörtel lassen sich Maßhaltigkeit und Tragverhalten verbessern. Verbände (Läufer-, Binder-, Kreuzverband) steuern die Lastabtragung und Rissverteilung, Fugenarten (verstrichen, gebürstet, gedrückt) prägen Optik und Dauerhaftigkeit.
Tragverhalten und Bauarten von Ziegelmauerwerk
Ziegelmauerwerk trägt überwiegend Druckkräfte; Zug- und Biegebeanspruchungen werden über Verbände, Ringanker, Stürze und Auflager begrenzt. Der Mörtel (Kalk-, Kalkzement-, Zement- oder Leichtmörtel) wirkt als lastverteilende Schicht. Entscheidend für Rückbau und Öffnungen ist die Ermittlung der Materialkennwerte (z. B. Festigkeitsklasse, Fugenqualität) sowie des Lastpfads im Bestand. In Mischmauerwerk können Natursteine, Zementschlackensteine oder Betoneinschüsse vorkommen, die das Trennverfahren beeinflussen.
Einfluss von Lochbildern und Rohdichte
Hochlochziegel mit dünnen Stegen reagieren empfindlicher auf punktuelle Schlagspannung. Das spricht für schneidende oder klemmende Verfahren mit dosiertem Druck, wie sie Betonzangen bieten. Vollziegel und Klinker widerstehen lokaler Belastung besser, können jedoch spröde Bruchflächen erzeugen, was beim Sortieren und beim Erhalt von Sichtflächen zu beachten ist.
Ziegelmauerwerk im Rückbau: selektiv, erschütterungsarm, sortenrein
Im Rückbau werden Ziegelwände häufig selektiv demontiert – etwa bei Entkernung, Teilabbrüchen oder beim Herstellen neuer Öffnungen. Ziel ist eine erschütterungsarme, kontrollierte Trennung mit möglichst geringer Staub- und Lärmentwicklung sowie eine sortenreine Trennung der Baustoffe für das Recycling. Mechanische Schlagwerkzeuge beschleunigen zwar den Abtrag, können aber Rissbildung in angrenzenden Bereichen fördern und Staubemissionen erhöhen. Hydraulische Verfahren erlauben häufig ein präziseres Vorgehen.
Betonzangen am Ziegelmauerwerk
Betonzangen können – mit angepasster Backengeometrie und Dosierung – Mauerwerk klemmen, quetschen oder segmentweise abbeißen. Geeignet sind sie für:
- das Öffnen von Wandbereichen (Tür-, Fensteröffnungen) mit temporärer Abstützung und abschlagfreier Kantenbildung,
- den Abtrag von Vormauerungen oder Vorsatzschalen bei reduzierter Erschütterung,
- das Trennen von Mischmauerwerk, wenn Einlagen aus Beton oder Mörtelbrücken vorhanden sind.
Wichtig sind ein kontrollierter Vorschub, kurze Hübe und ein Arbeiten entlang der Fugen, um Ausbrüche zu begrenzen. Wassernebelsysteme helfen, Staub zu binden. In Innenräumen sind kompakte, handgehaltene Einheiten mit Hydraulikaggregaten für Innenräume vorteilhaft, da sie emissionsarm sind.
Stein- und Betonspaltgeräte im Umfeld von Ziegel
Stein- und Betonspaltgeräte werden primär für Beton und Fels eingesetzt. Im Ziegelkontext sind sie nützlich, wenn massive Bauteile angrenzen oder eingelagert sind – etwa Fundamente, Betonstürze, Stahlbetonauflager oder Natursteinsockel. Durch spannungsarme Spaltvorgänge lassen sich Bauteile vorlösen, bevor Ziegelwerk manuell oder mit Betonzangen abgetragen wird. Das reduziert Übertragung von Erschütterungen auf empfindliches Sichtmauerwerk, z. B. bei denkmalgeschützten Fassaden.
Werkzeuge und Verfahren im Überblick
Die Werkzeugwahl richtet sich nach Wandaufbau, Zugänglichkeit und Anforderungen an Emissionen:
- Betonzangen: präzises Abbeißen, Klemmen und Quetschen von Mauerwerk, geeignet für Teilabbrüche, Öffnungen und die Entkernung.
- Stein- und Betonspaltgeräte: für angrenzende Betonbauteile, Pfeiler, Sockel und Mischmauerwerk; ermöglichen kontrolliertes Vorspalten ohne Schlagwirkung.
- Kombischeren und Multi Cutters: Trennen von Metallprofilen, Mauerankern, Schienen und Installationen innerhalb von Ziegelwänden.
- Stahlscheren und Tankschneider: für Sondereinsätze, wenn Stahlbauteile oder Behälter in Ziegelstrukturen integriert sind.
- Hydraulikaggregate: Versorgung der hydraulischen Werkzeuge; entscheidend sind Förderstrom, Druck und Portabilität, besonders in engen Bestandsgebäuden.
Einsatzbereiche mit Bezug zu Ziegelmauerwerk
Ziegel kommt in vielen Bauaufgaben vor. Die folgenden Einsatzbereiche zeigen, wie hydraulische Trenn- und Spaltverfahren eingebunden werden können.
Betonabbruch und Spezialrückbau
In Mischkonstruktionen aus Beton und Ziegel werden zuerst Betonanteile segmentiert – etwa mit Betonzangen –, während Ziegelwände erschütterungsarm nachgeführt werden. Spaltgeräte lösen schwere Betonteile an Auflagern ab, um Lasten zu reduzieren, bevor Ziegelwerk rückgebaut wird. So lassen sich Schwingungen und Kollateralschäden minimieren.
Entkernung und Schneiden
Bei der Entkernung in Bestandsgebäuden sind geringe Emissionen entscheidend. Hydraulische Werkzeuge arbeiten ohne Benzinabgase und mit niedrigem Geräuschpegel. Multi Cutters und Kombischeren trennen Einbauten, Anker und Leitungen, während Betonzangen Maueröffnungen herstellen. Das schont angrenzendes Mauerwerk und erleichtert die sortenreine Trennung.
Felsabbruch und Tunnelbau
Dieser Bereich betrifft Ziegel nur indirekt, etwa bei Anschlüssen von Tunnelbauwerken an Bestandskeller aus Ziegelmauerwerk. Spaltgeräte reduzieren Erschütterungen im Fels, während angrenzende Ziegelstrukturen mit kontrollierten Zangenarbeiten gesichert und angepasst werden.
Natursteingewinnung
In Steinbrüchen kommt Ziegel nicht vor. Relevanz entsteht, wenn Natursteinfassaden und Ziegelvorsatzschalen gemeinsam auftreten. Spalten und Zangenarbeiten müssen auf die unterschiedlichen Bruchmechaniken von Naturstein und Ziegel abgestimmt werden.
Sondereinsatz
In sensiblen Bereichen – Laboren, Kliniken, Museen – sind vibrationsarme Methoden gefragt. Das kontrollierte Zerkleinern von Mauerwerk mit Betonzangen und das Vorschalten von Spaltvorgängen an schweren Knotenpunkten helfen, Betriebsstörungen und Schäden an Sammlungen oder Geräten zu vermeiden.
Planung, Erkundung und Ablauf
Eine gründliche Erkundung ist die Grundlage für sichere und effiziente Arbeiten im Ziegelmauerwerk. Zur guten Praxis gehören:
- Bestandsanalyse: Baualter, Ziegeltyp (Vollziegel, Hochlochziegel, Klinker), Mörtelart, Verbände, eventuelle Überzüge und Anstriche.
- Freilegen und Sondieren: Testöffnungen zur Ermittlung von Schichten, Verbund und Einlagen (z. B. Stahl, Beton, Holz).
- Standsicherheitskonzept: temporäre Abstützungen, Reihenfolge des Abtrags, Lastumlagerungen; bei tragenden Wänden ist eine statische Beurteilung durch fachkundige Personen erforderlich.
- Verfahrenswahl: Zangen, Spaltgeräte, Schneidtechnik – abgestimmt auf Bauzustand, Emissionsziele und Wiederverwendungsgrad.
- Emissionsmanagement: Staubbindung (Wassernebel), Absaugung, Abschottungen, Schallschutz.
- Logistik und Entsorgung: sortenreines Separieren von Ziegelbruch, Mörtelresten, Metallen und Holz; kurze Transportwege.
- Dokumentation: Nachverfolgung von Mengenströmen, Qualität der Trennung, Fotodokumentation.
Arbeitsschutz, Emissionen und Umwelt
Ziegelstaub enthält feine quarzhaltige Partikel; daher sind Atemschutz, eine gute Durchlüftung und Staubbindung wesentlich. Wassernebelsysteme oder angepasste Schnittgeschwindigkeiten reduzieren Emissionen. Lärmschutz ist – trotz leiserer Hydraulik – zu berücksichtigen. Bei Beschichtungen, Putzen oder Fugendichtstoffen können Schadstoffe vorkommen; eine orientierende Untersuchung vorab ist sinnvoll. Maßnahmen müssen den allgemeinen Regeln der Technik und behördlichen Vorgaben entsprechen; sie ersetzen keine Einzelfallprüfung.
Aus Umwelt- und Ressourcensicht ist das sortenreine Trennen wichtig. Ziegelbruch kann – abhängig von Reinheit und regionalen Vorgaben – als Recyclingkörnung genutzt werden. Sichtziegel und Klinker lassen sich teilweise wiederverwenden, wenn sie beschädigungsarm ausgebaut werden. Erschütterungsarme Verfahren mit Betonzangen und vorangehendes Spalten großer Bauteile erhöhen die Chance, Material zu erhalten.
Typische Schäden und Sanierungstechniken
Häufige Schadensbilder sind Frostabplatzungen, Salzbelastungen, Risse durch Setzungen sowie abgewitterte Fugen. Bei Sanierungen werden beschädigte Steine selektiv ausgetauscht, Fugen erneuert und Feuchteursachen behoben. Beim Herstellen von Öffnungen in tragenden Ziegelwänden werden Stürze oder Rahmen eingesetzt; das Mauerwerk wird lokal mit Betonzangen oder – bei angrenzenden Betonteilen – nach vorgängigem Spalten kontrolliert abgetragen. Sichere Abstützungen und ein schrittweises Vorgehen sind dafür unerlässlich.
Öffnungen herstellen: schonendes Vorgehen
Für saubere Laibungen werden zunächst Fugen angefahren, dann Ziegelreihen segmentweise entnommen. Betonzangen begrenzen Ausbrüche und erleichtern das Erhalten von Sichtflächen. Bei massiven Stürzen oder Stahlbetoneinlagen kann ein vorgelagertes Spalten die Last reduzieren, bevor der Abtrag erfolgt.
Normen, Kennwerte und Qualitätssicherung
Für Ziegel und Mauerwerk gelten einschlägige technische Regeln. Wichtige Aspekte sind die Festlegung von Festigkeitsklassen, Rohdichtebereichen, Wasseraufnahme und Anforderungen an Mörtel. Für Planung, Rückbau und Umbau ist die Beurteilung durch qualifizierte Fachleute maßgeblich. Prüfungen vor Ort (Rückprall, Bohrkerne, Sondierungen) und Sichtprüfungen der Fugenqualität sichern den Bauablauf ab. Angaben in diesem Beitrag sind allgemeiner Natur und ersetzen keine projektspezifische Bewertung.
Praxisnahe Hinweise für die Werkzeugwahl
- Dünne Innenwände, empfindliche Sichtflächen: Betonzangen mit feiner Dosierung, Arbeiten entlang der Fugen, Staubbindung.
- Mischmauerwerk mit Betonkernen oder -stürzen: zuerst vorspalten, anschließend Mauerwerk segmentiert zerkleinern.
- Beengte Räume, sensible Umgebungen: kompakte Hydraulikaggregate mit geringer Emission, kurze Leitungswege, Etappenabtrag.
- Recyclingziel: Steine möglichst ganz entnehmen, Mörtelreste mechanisch trennen, Metalle separat erfassen.
Die genannten Verfahren lassen sich mit Werkzeugen der Darda GmbH praxisgerecht umsetzen, wenn sie an Bauteildicke, Material und Zugänglichkeit angepasst werden. Entscheidend sind sorgfältige Erkundung, eine realistische Sequenzplanung und ein konsequentes Emissions- und Sicherheitsmanagement.
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