Ziegelmauerwerk zählt zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Wandkonstruktionen im Hochbau. Es vereint Druckfestigkeit, Dauerhaftigkeit und gute bauphysikalische Eigenschaften mit einer vergleichsweise einfachen Verarbeitung. Im Bestand begegnet es Planenden, Ausführenden und Rückbauteams in vielfältigen Ausprägungen – von massiven Vollziegelwänden bis zu hochwärmedämmenden Lochziegeln. Bei Umbau, Sanierung, Entkernung und selektivem Rückbau greifen Fachbetriebe häufig auf hydraulische Trenn- und Spaltverfahren zurück, um Öffnungen herzustellen, Bauteile kontrolliert abzutragen oder angrenzende Strukturen zu schützen. Hier können – je nach Bauaufgabe – Betonzangen für Stahlbetonanschlüsse sowie Stein- und Betonspaltgeräte für kontrollierte Spaltvorgänge an mineralischen Bauteilen eine fachliche Rolle spielen. In allen Lebenszyklusphasen – von der Planung über die Instandhaltung bis zum Rückbau – profitieren Projekte von einem materialgerechten Vorgehen, das Standsicherheit, Emissionsschutz und eine möglichst sortenreine Trennung kombiniert.
Definition: Was versteht man unter Ziegelmauerwerk?
Ziegelmauerwerk ist ein Mauerwerk aus gebrannten Tonsteinen (Ziegeln), die mit Mörtel zu einer Wand verbunden werden. Die Steine liegen in horizontalen Lagerfugen und werden über vertikale Stoßfugen kraftschlüssig verbunden. Man unterscheidet unter anderem Vollziegel und Lochziegel. Ziegelmauerwerk kann tragend oder nichttragend, monolithisch oder mehrschalig ausgebildet sein. Die statische Wirkungsweise ist überwiegend druckorientiert; Zug- und Biegezugkräfte werden im Regelfall vermieden oder über konstruktive Maßnahmen (z. B. Ringanker, Stürze) abgetragen. Normativ wird zwischen Eigenschaften der Mauersteine und des Mörtels, der resultierenden Mauerwerksdruckfestigkeit sowie den Nachweisen für Einwirkungen unterschieden; Bewegungsfugen und gezielte Entkopplungen stellen die Gebrauchstauglichkeit sicher.
Aufbau, Steinsorten und Mauerwerksverbände
Die Ausführung von Ziegelmauerwerk richtet sich nach dem geplanten Einsatzzweck (tragende Wand, Ausfachung, Brandwand, Trennwand) und den geforderten bauphysikalischen Kennwerten. Häufige Steinarten sind Vollziegel für hohe Druckzonen sowie Lochziegel mit vertikalen Lochbildern zur Gewichts- und Wärmeleitfähigkeitsreduktion. Der Mauerwerksverband steuert die Kraftumlagerung und das Rissverhalten; ein ausreichendes Überbindemaß und ein stetiger Verband sind für eine gleichmäßige Lastabtragung essenziell.
Steinformate und Druckfestigkeitsklassen
Gängige Steinformate sind beispielsweise NF und DF bis hin zu großformatigen Planziegeln. Ergänzend werden 2DF, 3DF und plane Blockformate eingesetzt, um Mauerwerksflächen effizient zu erstellen. Ziegel werden in Festigkeitsklassen eingeteilt, die die charakteristische Druckfestigkeit angeben. Für die Tragfähigkeit der Wand ist nicht nur die reine Steinfestigkeit maßgebend, sondern das Zusammenspiel aus Stein, Mörtel, Fugendicke und Verband. Großformatige Plansteine werden häufig im Dünnbettverfahren verarbeitet, um die Fugenanteile und Wärmebrücken zu reduzieren. Für die Bemessung sind die charakteristische Mauerwerksdruckfestigkeit sowie die maßgebenden Teilsicherheitsbeiwerte ausschlaggebend, nicht allein die Festigkeitsangabe des einzelnen Steins.
Mörtelarten und Fugen
Mörtelsysteme reichen von Normalmörtel über Leichtmörtel bis zu Dünnbettmörtel. Lagerfugen liegen meist bei 10-12 mm (Normalmörtel) beziehungsweise deutlich dünner beim Dünnbettmörtel. Stoßfugen können vollvermörtelt, knirsch gestoßen oder mit Nut-und-Feder-Systemen ausgebildet sein. Vollflächige und gleichmäßige Fugen sind für die Trag- und Gebrauchstauglichkeit wesentlich. Neben der Festigkeitsklasse beeinflussen Verarbeitbarkeit, Wasserhaltevermögen und Frühfestigkeit die Bauqualität – insbesondere bei niedrigen Temperaturen, hoher Bauteilfeuchte oder erhöhter Lastaufnahme in frühen Bauphasen.
Tragverhalten und bauphysikalische Eigenschaften
Ziegelmauerwerk trägt hauptsächlich Druckkräfte. Schlanke Wände sind empfindlicher gegen Knicken und benötigen ausreichende Aussteifung. Die Schubtragfähigkeit hängt von Fugenqualität, Verband und Mörtel ab. Bauphysikalisch überzeugen Ziegelwände durch guten Wärmeschutz (insbesondere bei Lochziegeln), robuste Feuchteregulierung, hohe Brandschutzreserven und einen soliden Schallschutz, der maßgeblich von der flächenbezogenen Masse bestimmt wird. Exzentrische Lagerungen, Wandöffnungen und Anbindungen an Deckenbauteile erfordern eine detaillierte Beachtung der Zwängungen und Anschlussdetails, um Risse und lokale Überbeanspruchungen zu vermeiden.
Wärmeschutz und Feuchtemanagement
Die Wärmeleitfähigkeit variiert je nach Lochbild, Rohdichte und eventuellen Füllungen. Monolithische Außenwände mit Lochziegeln erreichen ohne Zusatzdämmung vergleichsweise gute U-Werte. Ziegel regulieren Luftfeuchte durch Sorption, was zu einem ausgeglichenen Raumklima beitragen kann. Schlagregenschutz und sorgfältige Detailausbildung der Anschlüsse bleiben entscheidend. Außen- und Innenputze mit geeigneten sd-Werten, wärmebrückenminimierte Laibungs- und Sturzbereiche sowie kapillaraktive Systeme unterstützen eine schadensfreie Feuchteführung.
Schallschutz
Schallschutz wird primär über Masse, Entkopplung und flankenbezogene Maßnahmen erzielt. Mehrschalige Aufbauten, entkoppelte Vorsatzschalen und schalltechnisch saubere Anschlüsse verbessern das Ergebnis. Die Fugenausbildung ist für die Luftschalldämmung kritisch. Installationsschlitze, durchgehende Fugen oder unsaubere Anschlüsse an flankierende Bauteile können die bewerteten Schalldämmmaße deutlich reduzieren und sind planerisch sowie bauseitig zu kontrollieren.
Brandschutz
Ziegel sind nicht brennbar (Baustoffklasse A1). Ziegelmauerwerk bietet eine hohe Feuerwiderstandsdauer, sofern Dicke, Rohdichte und Fugenqualität stimmen. Bei Tragwänden sind Auflagerlängen, Öffnungen und Durchdringungen brandschutztechnisch sauber zu planen. Feuerwiderstandsklassen lassen sich durch abgestimmte Wanddicken, Putzsysteme und einen geprüften Aufbau erreichen – auch im Bestand durch gezielte Ergänzungsmaßnahmen an kritischen Details.
Begriffe, Normen und Kennwerte im Überblick
Für Planung und Bemessung von Ziegelmauerwerk werden charakteristische Mauerwerksdruckfestigkeiten, Mörtelgruppen, Teilsicherheitsbeiwerte, Schlankheitsgrade und Nachweisformate herangezogen. Regelwerke definieren die Bemessung unter Druck, Biegung und Schub sowie Anforderungen an Ausführungstoleranzen und Qualitätssicherung. Für die Praxis sind neben rechnerischen Kennwerten Baustelleneinflüsse wie Feuchte im Stein, Temperatur und Verarbeitungsgeschwindigkeit maßgebend.
- Normative Grundlagen: Bemessung nach dem Mauerwerks-Eurocode und zugehörigen nationalen Anhängen, Produktnormen für Mauerziegel und Mörtel sowie Ausführungs- und Toleranzregeln.
- Kennwerte: charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks, E-Modul, Schubkennwerte, Wärmeleitfähigkeit, Rohdichte und Feuchtegehalt.
- Nachweise: Tragfähigkeit in und außerhalb der Wandebene, Gebrauchstauglichkeit (Verformung, Rissbreite), Brandschutz und Schallschutz einschließlich flankierender Übertragungswege.
Planung, Ausführung und Qualitätssicherung
Eine sorgfältige Ausführung beginnt mit ebenen, sauberen Lagerfugen. Erste Lage ins Lot und in die Waage ist grundlegend. Der Mauerwerksverband (z. B. Läufer-, Binder- oder Blockverband) beeinflusst die Lastabtragung. Auflager von Decken, die Ausbildung von Stürzen und die Integration von Ringankern und -balken erfordern besondere Aufmerksamkeit. Anschlüsse an Stahlbetonbauteile sind form- und kraftschlüssig zu planen; Toleranzen müssen eingehalten und dokumentiert werden. Prüf- und Dokumentationspunkte umfassen unter anderem Ebenheit und Maßhaltigkeit, Mörtelqualität, Fugendicken, Feuchteschutz während der Bauzeit sowie die Kontrolle von Bewegungsfugen und Anschlussdetails.
Typische Konstruktionsdetails
- Wand-Decken-Anschluss mit Druckfugen, Trennlagen und ggf. Ringanker
- Öffnungen mit Stürzen oder Überlagen; Vermeidung von Kerbspannungen
- Wand-Wand-Anschlüsse mit Verzahnung oder Edelstahlverbindern
- Aussteifende Quer- und Längswände zur Knickausfallsicherheit
- Feuchte- und Schlagregenschutz bei Außenwänden (Sockeldetail, Abdeckungen)
- Bewegungs- und Dehnfugen zur Begrenzung von Zwängungen aus Temperatur- und Feuchteänderungen
- Laibungs-, Sturz- und Ringankerbereiche als potenzielle Wärmebrücken gezielt planen und dämmen
Instandsetzung und Rückbau von Ziegelmauerwerk
Im Bestand stehen häufig Maßnahmen wie Fugensanierung, Rissverpressung, Teilersatz von Steinen oder das Herstellen neuer Öffnungen an. Beim Rückbau sind staub-, lärm- und erschütterungsarme Verfahren bevorzugt, insbesondere in sensiblen Umgebungen (Krankenhäuser, Innenstadtlagen, Denkmalschutz). Selektives Abtragen ermöglicht eine sortenreine Trennung von Ziegel, Mörtel und ggf. Stahlbetonbauteilen. Eine vorgelagerte Zustandsanalyse mit Dokumentation von Rissen, Durchfeuchtungen und vorhandenen Sicherungsmaßnahmen reduziert Risiken während der Eingriffe.
Selektiver Rückbau und Entkernung
Bei der Entkernung werden nichttragende Wände und Einbauten entfernt, während tragende Strukturen erhalten bleiben. Für kontrollierte Trennvorgänge kommen – abhängig vom Bauteil – hydraulische Werkzeuge in Betracht. Stein- und Betonspaltgeräte ermöglichen das Einleiten definierter Spaltkräfte in mineralische Bauteile, um Wandfelder in handhabbare Segmente zu zerlegen. Treffen Ziegelwände auf Stahlbetonbauteile (z. B. Ringanker, Stahlbetonstürze), können Betonzangen genutzt werden, um Betonabschnitte materialgerecht und mit reduzierter Sekundärbelastung abzutragen. Solche Vorgehensweisen sind dem Einsatzbereich Entkernung und Schneiden sowie – bei komplexen Geometrien – dem Betonabbruch und Spezialrückbau zuzuordnen. Leitungsortung, abschnittsweise Freilegung und ein belastungsgerechtes Logistikkonzept unterstützen einen sicheren, emissionsarmen Ablauf.
Öffnungen herstellen und Lastumlagerungen
Für Durchbrüche in Ziegelmauerwerk gilt: Tragwirkung analysieren, provisorisch abstützen, Lasten umleiten, Schnittstellen definieren. Der Rückbau erfolgt schrittweise von oben nach unten, mit klarer Segmentierung. Hydraulische Spalttechnik kann helfen, Bruchlinien zu führen und Mauerwerk ohne unkontrollierte Rissfortpflanzung aufzutrennen. Wo Stahlbetonbauteile zu entfernen sind, erlaubt der Einsatz von Betonzangen ein kontrolliertes Abtragen, bevor das Mauerwerk anschließend abgebaut wird. Solche Maßnahmen fallen häufig unter Sondereinsatz, wenn Restriktionen zu Emissionen oder Zugänglichkeiten bestehen. Stützrüstungen sind nach Montage zu kontrollieren und bei geänderter Lastverteilung nachzuregulieren; Sturzauflager und Lagerfugen sind während der Arbeiten vor Erschütterungen und Durchfeuchtung zu schützen.
Typische Schadensbilder und Ursachen
Häufige Schadensbilder umfassen Setzungs- und Schwindrisse, feuchtebedingte Frostabplatzungen, Ausblühungen durch Salze und Schäden an Fugen. Mangelhafte Auflager, Durchfeuchtung im Sockelbereich oder harte Zwängungen durch starre Anschlüsse können Rissbildung begünstigen. Bei kombinierten Wand-Decken-Systemen treten lokale Spannungsspitzen auf, etwa unter konzentrierten Auflagern. Eine diagnosebasierte Instandsetzung umfasst Ursachenermittlung, abgestimmte Maßnahmen (Fugenerneuerung, Steinersatz, Injektionen) und eine geeignete Qualitätssicherung. Erschütterungen aus Bauabläufen, temperatur- und feuchteinduzierte Längenänderungen sowie unzureichend geplante Bewegungsfugen zählen zu typischen Auslösern im Bestand.
Prüfung, Dokumentation und Nachhaltigkeit
Die Zustandsbewertung erfolgt über Sichtprüfung, Feuchte- und Dichtebestimmung, ggf. Bohrkerne und endoskopische Untersuchungen. Bei Rückbau und Umbau sind Staub- und Lärmminderung, Schutz Dritter und die Einhaltung von Arbeits- und Umweltschutzregeln wesentlich. Aufbereitete Ziegel lassen sich als Sekundärbaustoff nutzen – vom ganzen Stein (Wiederverwendung) bis zum rezyklierten Zuschlag (z. B. Ziegelgranulat). Selektiver Rückbau unterstützt eine sortenreine Trennung und reduziert Entsorgungsaufwand. Ergänzend erhöhen eine lückenlose Dokumentation, Nachweise zu Verwertungspfaden und ein emissionsbewusstes Gerätekonzept die ökologische und ökonomische Bilanz.
Praxisleitfaden: Schritte bei Umbau und selektivem Rückbau
- Bestandsaufnahme: Tragwirkung, Materialkennwerte, Feuchte- und Schadensbild erfassen.
- Planung: Nachweise, Abstützkonzept, Bauphasen- und Schnittstellenplanung.
- Schutzmaßnahmen: Staub- und Lärmschutz, Absperrungen, Erschütterungsmonitoring.
- Vorbereitung: Leitungen freilegen, Stürze/Ringanker prüfen, provisorische Abfangungen herstellen.
- Trennen: Mauerwerk abschnittsweise lösen; bei Betonanschlüssen kontrolliert mit Betonzangen arbeiten; mineralische Wandfelder – falls passend – mit Stein- und Betonspaltgeräten segmentieren.
- Abtragen: Von oben nach unten, lastfrei, mit definierten Segmentegrößen und gesicherter Fallrichtung.
- Sortieren: Ziegel, Mörtel, Metall und Beton getrennt erfassen; Wiederverwendung prüfen.
- Dokumentation: Maßnahmen, Messwerte, Entsorgungs- und Verwertungsnachweise festhalten.
- Abnahme: Temporäre Sicherungen, Schnittkanten und Anschlüsse prüfen und freigeben.
- Nachsorge: Monitoring relevanter Messgrößen (z. B. Risse, Setzungen), Reinigung und Schutz der verbleibenden Bauteile.
Schnittstellen zu Einsatzbereichen und Werkzeugwahl
Je nach Projekt und Randbedingungen ergeben sich Überschneidungen mit den Einsatzbereichen Entkernung und Schneiden, Betonabbruch und Spezialrückbau oder Sondereinsatz. In der Praxis liegt der Fokus auf kontrollierter Demontage, minimalen Sekundärschäden und Ressourcenrückgewinnung. Hydraulische Verfahren mit Stein- und Betonspaltgeräten begünstigen präzise Trennvorgänge in Mauerwerksfeldern. Treffen Mauerwerk und Stahlbeton aufeinander, sind Betonzangen für die Bearbeitung der Betonanteile ein etabliertes Werkzeug. Die Auswahl erfolgt stets objektbezogen – nach Standsicherheit, Zugänglichkeit, Emissionsvorgaben und Ziel der Materialtrennung.
- Auswahlkriterien: Bauteildicke und -aufbau, Beton- und Stahlanteile, Arbeitsraum, Erschütterungs- und Lärmvorgaben, Staubminderung, Schnittgenauigkeit und geforderte Segmentgrößen.
- Prozesssicherheit: abgestimmte Abfolge von Trennen, Sichern, Abtragen und Sortieren mit kontinuierlicher Kontrolle der temporären Lagerungs- und Lastumlagerungszustände.
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