Verschleißteil

Verschleißteile sind Bauteile, die sich durch den regelmäßigen Einsatz abnutzen und deshalb in festgelegten oder zustandsabhängigen Intervallen ersetzt werden. In der hydraulischen Abbruch- und Spalttechnik – etwa bei Betonzangen, Stein- und Betonspaltgeräten, Kombischeren, Multi Cutters, Stahlscheren, Tankschneidern, Steinspaltzylindern sowie den zugehörigen Hydraulikaggregaten – bestimmen sie maßgeblich die Leistungsfähigkeit, Präzision und Arbeitssicherheit. Wer die Funktion, Belastungen und Pflege von Verschleißteilen versteht, kann Standzeiten verlängern, ungeplante Stillstände vermeiden und die Qualität von Betonabbruch und Spezialrückbau, Entkernung, Felsabbruch, Tunnelbau, Natursteingewinnung und Sondereinsatz sichern.

Definition: Was versteht man unter Verschleißteil

Ein Verschleißteil ist ein Bauteil, dessen Materialabtrag oder Ermüdung bei ordnungsgemäßem Gebrauch unvermeidlich ist. Typische Mechanismen sind Abrasion (Reibverschleiß), Adhäsion (Materialübertrag), Oberflächenermüdung, Schlagbeanspruchung, Korrosion und – in hydraulischen Systemen – auch Kavitation und Medienalterung. Bei Werkzeugen wie Betonzangen oder Stein- und Betonspaltgeräten betrifft das unter anderem Schneiden, Backen, Pressleisten, Bolzen und Lagerbuchsen, Dichtungen, Schlauchleitungen, Schnellkupplungen sowie Filter. Hydraulikaggregate besitzen ebenfalls Verschleißteile, etwa Pumpenkomponenten, Ventilsitze, Filterelemente und Dichtsysteme. Entscheidend ist, dass Verschleiß vorhersehbar bleibt: Wartung, Inspektion und der gezielte Austausch sind integraler Bestandteil des sicheren und wirtschaftlichen Betriebs.

Typische Verschleißteile an Abbruch- und Spalttechnik

Die Ausprägung des Verschleißes hängt von Werkzeuggeometrie, Materialpaarungen, Oberflächenhärte, Schmierung, Hydraulikdruck, Schlagzahlen sowie vom bearbeiteten Material (z. B. Beton mit Bewehrung, Naturstein mit hohem Quarzanteil, Stähle) ab. Im Überblick:

  • Betonzangen: Schneid- und Brechbacken, Messerleisten, Press- und Verschleißplatten, Bolzen und Buchsen an den Gelenkpunkten, Drehkranzkomponenten (sofern vorhanden), Dichtungen und Schlauchpakete.
  • Stein- und Betonspaltgeräte: Keile und Gegenkeile, Distanzplatten, Druck- und Zugstangen, Führungen, Dichtsysteme der Steinspaltzylinder, Hochdruckschläuche und Kupplungen.
  • Kombischeren / Multi Cutters / Stahlscheren / Tankschneider: Schneidmesser, Ambosse, Messerhalter, Verschleißschutzleisten, Lagerstellen, Dichtungen, hydraulische Drehdurchführungen.
  • Hydraulikaggregate: Filtereinsätze, Dichtungen, Kupplungen, Schläuche, Pumpenelemente, Ventilsitze; außerdem Öl als Funktionsmedium mit begrenzter Alterungsstabilität.

Verschleißmechanismen und Einflussfaktoren

Verschleiß entsteht aus dem Zusammenspiel von Last, Werkstoff und Umgebungsbedingungen. Für die Praxis sind folgende Mechanismen besonders relevant:

  • Abrasion: Hartminerale (z. B. Quarz in Beton und Naturstein) führen zu Riefen und Materialabtrag an Schneiden und Backen.
  • Schlag- und Stoßbelastung: Wechselförmige Spitzenlasten begünstigen Mikro- und Makrorisse, vor allem an Kanten und Bohrungen.
  • Adhäsion und Kaltverschweißung: Bei Metall-Metall-Kontakt ohne ausreichende Schmierung (Bolzen/Buchsen) kommt es zu Fressen und Materialübertrag.
  • Korrosion: Feuchte, chloridhaltige Umgebung und lange Stillstandszeiten fördern Loch- oder Spaltkorrosion, auch unter Restspannungen.
  • Kavitation und Ölalterung: In Hydrauliksystemen schädigen Gasblasen und gealterte Medien Dichtungen, Ventile und Pumpenoberflächen.

Einfluss der Einsatzbereiche

Die Einsatzbereiche prägen das Verschleißbild deutlich:

  • Betonabbruch und Spezialrückbau: Betonzangen arbeiten häufig an bewehrtem Beton; Wechsel zwischen Hartgesteinskörnung und Stahl begünstigt Kantenverrundung und Messerbruch, Gelenke sind stoßbelastet.
  • Entkernung und Schneiden: Kombischeren und Multi Cutters treffen auf unterschiedliche Querschnitte; ungleichmäßige Materialstärken erzeugen Biege- und Torsionsspitzen an Messern.
  • Felsabbruch und Tunnelbau: Stein- und Betonspaltgeräte sowie Steinspaltzylinder sind hochabrasiven Mineralphasen ausgesetzt; Keile und Gegenkeile profitieren von hoher Oberflächenhärte und korrekt geführter Kraftlinie.
  • Natursteingewinnung: Wiederholtes Spalten im gleichen Körnungsgefüge erfordert konstante Keilgeometrien; Dichtungen der Zylinder sind staub- und partikelbelastet.
  • Sondereinsatz: Temperaturabweichungen, Feuchtigkeit oder kontaminierte Medien stellen zusätzliche Anforderungen an Dichtungen, Schläuche und Korrosionsschutz.

Zustandsbewertung: Inspektion und Messpraxis

Eine systematische Zustandsprüfung ist die Grundlage für planbare Instandhaltung. Ziel ist, kritische Verschleißmaße frühzeitig zu erkennen und sicher zu entscheiden, ob Aufarbeitung oder Austausch erforderlich ist.

Sicht- und Funktionsprüfung

  • Schneid- und Brechkanten auf Ausbrüche, Risse, Kantenverrundung und ungleichmäßigen Abrieb prüfen.
  • Bolzen/Buchsen auf Spiel, Einlaufspuren, Oberflächenrisse, Verfärbungen (Überhitzung) und Fressspuren kontrollieren.
  • Dichtungen auf Schwitzen, Leckage, Quellungen oder Versprödung begutachten; hydraulische Leitungen auf Scheuerstellen und Knickradien prüfen.
  • Hydraulikaggregate: Filterzustand, Differenzdruckanzeige (sofern vorhanden), Geräuschentwicklung der Pumpe, Temperaturverhalten, Ölzustand (Farbe, Geruch, Partikel).

Messmittel und Kennwerte

  • Messschieber/Lehren zur Bestimmung von Restschneidenlänge, Kantenradius und Durchmesser an Bolzen.
  • Axial- und Radialspiel an Gelenkpunkten prüfen; Drehkranzspiel (falls vorhanden) erfassen.
  • Hydraulikdruck und Volumenstrom im Lastfall dokumentieren; Druckhalteverhalten des Systems bewerten.

Wartung, Schmierung und Ölmanagement

Verschleiß lässt sich durch konsequente Pflege messbar reduzieren. Besonders bei Betonzangen und Stein- und Betonspaltgeräten verlängert eine saubere, regelmäßige Schmierung der Gelenkstellen die Lebensdauer von Bolzen und Buchsen erheblich.

  • Schmierung: Schmierpunkte gemäß Herstellerangaben bedienen; staubige Ablagerungen vorher entfernen, um Dreikörperabrasion zu vermeiden.
  • Verschraubungen: Anzugsdrehmomente kontrollieren; gelockerte Schraubverbindungen erhöhen Relativbewegungen und damit den Verschleiß.
  • Ölzustand: Wechselintervalle und Filterwechsel einhalten; Partikel und Wasser beschleunigen Dichtungsverschleiß und Bauteilerosion.
  • Schnellkupplungen: Sauber halten, vor dem Kuppeln reinigen; Schmutzeintrag wirkt wie Schleifmittel im System.

Wechselkriterien und Instandhaltungsstrategien

Je nach Einsatzprofil sind präventive, zustandsorientierte oder gemischte Strategien sinnvoll. Ziel ist ein sicherer und wirtschaftlicher Betrieb ohne Folgeschäden an Nachbarbauteilen.

  • Schneiden/Backen: Austausch bei Rissbildung, unzulässiger Kantenverrundung oder wenn Geometrie die Schnitt-/Bruchlinie nicht mehr sauber führt; bei aufgeschraubten Messerleisten rechtzeitig wechseln, um Trägerteile zu schützen.
  • Bolzen/Buchsen: Wechsel bei Überschreitung zulässiger Spielmaße, Rissindikationen oder Fressspuren; immer paarweise und passend zur Werkstoffpaarung ersetzen.
  • Dichtungen/Schläuche: Bei Leckage, Alterserscheinungen oder nach Beschädigung unverzüglich tauschen; Schlauchleitungen turnusmäßig erneuern.
  • Filter/Öl: Nach Betriebsstunden oder anhand des Zustands (Differenzdruck, Ölzustand) wechseln; Ölstand und -reinheit laufend im Blick behalten.

Aufarbeitung und Reparatur

Auftragschweißungen, Schleifen oder das Nachsetzen von Messerleisten sind etablierte Maßnahmen. Dabei ist zu beachten, dass Wärmeeintrag die Gefügeeigenschaften verändern kann. Reparaturverfahren sollten mit den technischen Vorgaben und Freigaben der Darda GmbH abgeglichen werden.

Werkstoffe, Härte und Oberflächen

Verschleißteile bestehen häufig aus vergüteten Werkzeugstählen, verschleißfesten Feinkornstählen oder einsatz-/induktivgehärteten Bauteilen. Die richtige Kombination aus Kernzähigkeit und Randhärte ist entscheidend: Ein zu harter, spröder Rand kann ausbrechen; ein weicher Rand verschleißt zu schnell. Oberflächenveredelungen und Beschichtungen können Abrasion und Adhäsion reduzieren, setzen jedoch korrekte Verarbeitung und passende Gegenlaufpartner voraus.

Bezug zu Produkten und Einsatzbereichen

Die Auswahl und Pflege von Verschleißteilen sollte immer auf das konkrete Werkzeug und den Einsatzbereich abgestimmt werden:

  • Betonzangen im Betonabbruch und bei Entkernungsarbeiten profitieren von standfesten Schneiden und passgenauen Lagerstellen; wichtig sind stabile Gelenke und eine gleichmäßige Kraftverteilung, um Bewehrungsstahl und Zuschläge kontrolliert zu trennen.
  • Stein- und Betonspaltgeräte in Felsabbruch, Tunnelbau und Natursteingewinnung benötigen präzise Keilgeometrien und dichte Zylindersysteme; Keile und Gegenkeile sind hoch belastet und sollten frühzeitig begutachtet werden.
  • Kombischeren, Multi Cutters, Stahlscheren, Tankschneider erfordern auf den Werkstoff zugeschnittene Messerpakete und regelmäßige Kontrollen der Messerhalter und Führungsleisten, um Schnittspalte und Schnittqualität stabil zu halten.
  • Hydraulikaggregate stellen den benötigten Druck und Volumenstrom bereit; saubere Filter und dichte Kupplungen schützen nachgeschaltete Verschleißteile in allen Werkzeugen.

Arbeitssicherheit und rechtliche Hinweise

Verschlissene Komponenten erhöhen das Risiko von Bauteilversagen. Grundsätze für den sicheren Betrieb:

  • Werkzeuge mit Rissen, übermäßigem Spiel oder Leckagen außer Betrieb nehmen und prüfen.
  • Drucklos schalten, bevor an Hydraulikleitungen, Dichtungen oder Verschraubungen gearbeitet wird.
  • Nur freigegebene Verschleiß- und Ersatzteile verwenden; Montage nach Herstellerangaben der Darda GmbH ausführen.
  • Persönliche Schutzausrüstung und sichere Arbeitsumgebung gewährleisten; Lasten gegen unbeabsichtigte Bewegung sichern.

Rechtliche Vorgaben können je nach Land und Einsatzumfeld variieren. Prüf- und Wartungsintervalle, Dokumentationspflichten sowie die Qualifikation des Personals sollten an den allgemein anerkannten Regeln der Technik und den gültigen Bestimmungen ausgerichtet werden.

Nachhaltigkeit, Entsorgung und Dokumentation

Verschleißteile bestehen oft aus hochwertigen Werkstoffen und lassen sich in vielen Fällen recyceln. Eine geordnete Trennung von Metallen, Elastomeren und Reststoffen erleichtert die Rückführung in Stoffkreisläufe. Langlebigkeit entsteht durch saubere Prozesse: Staubmanagement am Einsatzort, Ölpflege, korrosionsschützende Lagerung und eine lückenlose Dokumentation der Inspektionen, Messwerte und Wechseltermine. So wird die Einsatzfähigkeit von Betonzangen, Stein- und Betonspaltgeräten und der zugehörigen Hydraulikaggregate nachhaltig gesichert.