Eine Teergrube ist ein Sonderfall kontaminierter Ablagerungen: Sie vereint historische Bau- und Industrietechnik mit heutigen Anforderungen an Umwelt-, Arbeits- und Anlagensicherheit. Im Kontext von Rückbau, Sanierung und selektivem Abtrag berührt die Teergrube Themen wie Stoffkunde (Teer versus Bitumen), Altlastenmanagement, Emissionskontrolle, sowie die Frage, mit welchen greifenden, schneidenden oder spaltenden Verfahren Betonabdeckungen, Einbauten oder anstehendes Gestein fachgerecht geöffnet werden. Gerade im Betonabbruch und Spezialrückbau sowie bei Entkernung und Schneiden kommen hierbei Werkzeuge wie Betonzangen oder Stein- und Betonspaltgeräte zum Einsatz, gespeist über kompakte Hydraulikaggregate.
Definition: Was versteht man unter Teergrube
Unter einer Teergrube versteht man einen künstlich angelegten oder nachträglich entstandenen Hohlraum beziehungsweise Vertiefung, in der teerhaltige Substanzen abgelagert, zwischengelagert oder versickert sind. Historisch stammen solche Gruben häufig aus den Umfeldern von Gaswerken, Kokereien, Teeröfen, Straßenbauhöfen oder Dachpappenfertigungen. Dabei handelt es sich meist um Steinkohlenteer, Teeröl, teerhaltige Schlämme und Gemische mit mineralischen Zuschlagstoffen. Teergruben sind in der Altlastenpraxis relevant, da ihre Inhalte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und weitere kritische Inhaltsstoffe enthalten können, die Boden, Baukörper und Grundwasser beeinträchtigen. Neben freiliegenden Gruben kommen überdeckte, mit Beton eingefasste oder mit Pflaster, Asphalt und Platten verdeckte Teerablagerungen vor, die beim Rückbau selektiv freizulegen sind.
Herkunft, Bauformen und typische Merkmale von Teergruben
Teergruben entstanden teils als einfache Erdvertiefungen, teils als gemauerte oder betonierte Becken und Schächte. Häufig findet sich ein Schichtaufbau aus Sammelschlamm, eingemischten Baustoffen, Teerpech, Sand, Ziegelbruch und Metallteilen. Oberseitig sind Gruben oft mit Betonplatten, Fundamenten, Estrichen oder Asphaltdecken verschlossen. Geruch (phenolisch, „teerig“), dunkle, zähflüssige bis spröde Massen und schillernde Schlieren deuten auf teerhaltige Stoffe hin. Im Bestand können Einbauten wie Stahlplatten, Anker, alter Rohranschluss oder Abscheiderkammern vorkommen. Solche Überdeckungen lassen sich im Rückbau gezielt mit Betonzangen lösen oder mit Stein- und Betonspaltgeräten erschütterungsarm öffnen, um den darunterliegenden Inhalt kontrolliert zugänglich zu machen.
Teer, Bitumen und verwandte Stoffe: Unterschiede mit Praxisrelevanz
Steinkohlenteer ist ein Destillationsprodukt aus Kohleprozessen und enthält je nach Fraktion PAK, Phenole und andere aromatische Kohlenwasserstoffe. Bitumen hingegen stammt aus Erdölprozessen und weist ein anderes Schadstoffprofil auf. In der Praxis ist die Unterscheidung wesentlich für Bewertung, Abfalltrennung und Entsorgung. Hinweise liefern Geruch, UV-Fluoreszenz, Löslichkeit in organischen Medien, aber letztlich schafft Analytik Klarheit. Für die Wahl von Rückbauverfahren ist relevant, ob thermische Verfahren zu vermeiden sind und ob erschütterungsarme, kalte Trenntechniken – etwa hydraulische Spaltung oder Zangen – Vorteile bieten, um Emissionen und Funkenflug zu reduzieren.
Gefahrenstoffe, Umweltaspekte und Arbeitsschutz
In Teergruben können PAK, BTEX, Phenole, Schwefelverbindungen, Cyanide (standortspezifisch), Schwermetalle sowie Teeröle auftreten. Damit verbunden sind potenzielle Risiken für Hautkontakt, Inhalation von Dämpfen und für Gewässer und Boden. Maßnahmen wie staubarmes Arbeiten, technische Lüftung, Funkenvermeidung und geeignete persönliche Schutzausrüstung sind in der Planung zu berücksichtigen. In sensiblen Umgebungen – etwa nahe Gebäuden, Leitungen oder Gewässern – werden häufig Verfahren mit geringer Erschütterung und kontrollierbarer Kraftübertragung bevorzugt, wozu der gezielte Einsatz von Betonzangen und Stein- und Betonspaltgeräten zählt. Rechtliche Anforderungen sind stets standort- und projektbezogen zu prüfen; allgemeine Regelwerke und behördliche Vorgaben dienen als Rahmen.
Erkundung und Bewertung vor dem Eingriff
Die fachgerechte Erkundung ist die Basis jedweder Maßnahme. Sie umfasst historische Recherchen, Sondierungen, Bohrkerne, Probenahmen und gegebenenfalls geophysikalische Verfahren. Ziel ist die Klärung von Lage, Ausdehnung, Bauweise und Stoffinventar. Das Ergebnis bestimmt die Zugangs- und Abtragsstrategie: Liegt die Grube unter einer Stahlbetonplatte, kann ein Abtrag über Betonzangen mit anschließender hydraulischer Spaltung sinnvoll sein; grenzen teerhaltige Massen direkt an Naturfels, ist der selektive Felsabtrag mit Steinspaltzylindern eine Option, um Sprengverbote einzuhalten und Erschütterungen gering zu halten.
Freilegung, Öffnung und selektiver Abtrag
Die Öffnung einer überdeckten Teergrube verlangt planvolles, schrittweises Vorgehen, um unkontrollierte Ausflüsse und Emissionen zu vermeiden. In der Praxis bewährt sich ein sequenzielles Vorgehen mit kalten, kontrollierten Trenntechniken:
- Betonabbruch: Überdeckende Platten, Auflager und Stürze werden mit Betonzangen stückweise aufgenommen; Einbautiefen und Bewehrungsführung werden durch Probefreilegung und Markierung verifiziert.
- Erschütterungsarmer Zugriff: Stein- und Betonspaltgeräte erzeugen definierte Spaltkräfte in Bohrungen, um massive Bauteile oder anstehenden Fels kontrolliert zu lösen, ohne Schlagenergie in das Umfeld einzutragen.
- Trennen von Metall: Bewehrungen, Laschen oder Deckelbleche werden mit Stahlscheren oder Kombischeren abgetrennt; Multi Cutters unterstützen beim Durchtrennen heterogener Einlagen.
- Antrieb und Mobilität: Hydraulikaggregate versorgen Zangen, Spaltzylinder und Scheren. Die Wahl von Leistung, Schlauchlänge und Gerätestandort orientiert sich an Emissionszonen und Zugänglichkeit.
So lassen sich Engstellen, Fundamente und Einbauten gezielt lösen. Funktionssicherheit, Dichtkanten und Notabdichtungen sind vorzuhalten, falls Inhalte fließfähig sind.
Umgang mit flüssigen und festen Inhalten
Teergruben können flüssige, pastöse oder feste Anteile enthalten. Für das Handling gilt: vermeiden, vermischen, verdünnen oder aufschäumen ohne Konzept. Stattdessen wird getrennt, gesichert und dokumentiert.
- Abtrennen und Bergen: Zähflüssige Inhalte werden abgesaugt oder schöpfweise geborgen; feste Brocken werden in passenden Behältnissen separiert.
- Separieren von Bauteilen: Beton, Mauerwerk, Stahl, Holz und teerhaltige Stoffe sind nach Möglichkeit vor Ort zu trennen, um Stoffströme zu ordnen.
- Abdichtung und Dichtigkeitskontrolle: Temporäre Dämme, Bindemittelbarrieren oder Wannen verhindern ungewolltes Austreten. Über- und Unterdruckzonen können Emissionen steuern.
Wo Stahlbehälter, Einbauwannen oder Tanks angetroffen werden, erfordern sie eine gezielte Öffnungsstrategie. Für die kaltmechanische Öffnung kommen Stahlscheren oder Tankschneider in Betracht, sofern eine Gefährdungsbeurteilung dies erlaubt und Schutzmaßnahmen getroffen sind.
Einsatzbereiche und typische Szenarien
Betonabbruch und Spezialrückbau
Beim Rückbau überdeckender Baukörper liegt der Schwerpunkt auf kontrolliertem Öffnen und Trennen. Betonzangen unterstützen den schrittweisen Rückbau tragender und nichttragender Bauteile, während Stein- und Betonspaltgeräte massive Blöcke in handhabbare Segmente überführen. Für Bewehrungen und Profile ergänzen Stahlscheren die Prozesskette.
Entkernung und Schneiden
In Bestandsgebäuden mit altlastverdächtigen Bereichen ist das Freilegen häufig nur abschnittsweise möglich. Kombischeren und Multi Cutters vereinfachen das Trennen wechselnder Materiallagen, ohne zwischen Arbeitsgängen das Werkzeug wechseln zu müssen.
Felsabbruch und Tunnelbau
Teerhaltige Ablagerungen können in ehemaligen Stollen, Schächten oder Auffüllungen liegen. Steinspaltzylinder ermöglichen es, umgebenden Fels selektiv zu lösen, wenn Sprengerschütterungen oder Zündquellen ausgeschlossen werden sollen. Der gezielte Spaltvorgang schafft Arbeitsraum für sichere Bergung.
Natursteingewinnung
In seltenen Fällen treten teerhaltige Substanzen in Steinbrüchen als Altablagerungen im Randbereich früherer Betriebsflächen auf. Der selektive Abtrag mit Spaltgeräten und Zangen minimiert Belastungen für den laufenden Abbau.
Sondereinsatz
An Standorten mit begrenzten Zugängen, sensiblen Nachbarbauwerken oder Emissionsauflagen sind leise, vibrationsarme Verfahren gefragt. Hier bieten hydraulisch betriebene, greifende und spaltende Werkzeuge Vorteile in der Steuerbarkeit und im Schnittbild – ein zentrales Kriterium, um umliegende Strukturen zu schützen.
Planung, Ablauf und Qualitätssicherung
Ein strukturierter Arbeitsablauf verbessert Sicherheit, Ergonomie und Ergebnisqualität. Bewährt haben sich folgende Schritte:
- Vorklärung mit Sichtung historischer Unterlagen, Leitungsplänen und Vorerkundungsergebnissen.
- Schutzkonzept für Personen, Umwelt und Nachbarschaft mit definierten Zonen, Arbeitsmitteln und Notfallmaßnahmen.
- Selektives Öffnen der Überdeckung mittels Betonzangen und – wo angezeigt – Stein- und Betonspaltgeräten; Stahlteile mit Stahlscheren oder Kombischeren trennen.
- Bergung der Inhalte nach Fraktionen; dichte Zwischenlagerung, Kennzeichnung und Dokumentation.
- Kontrolle von Emissionen (z. B. Gerüche, flüchtige Bestandteile) sowie regelmäßige Sicht- und Dichtigkeitsprüfungen.
- Nachsorge mit Abschlusskontrollen und Monitoring – etwa Bodenluft, Sickerwasser oder Bauteiloberflächen – gemäß Projektvorgaben.
Praktische Hinweise zur Werkzeugwahl
Die Wahl des Werkzeugs richtet sich nach Bauteildicke, Bewehrungsgrad, Zugänglichkeit und Emissionszielen:
- Betonzangen für das kontrollierte Abbeißen von Plattenkanten, Unterzügen und Wandfeldern; gute Übersicht und fein dosierbare Kraftübertragung.
- Stein- und Betonspaltgeräte zur erschütterungsarmen Segmentierung massiver Bauteile oder Naturfels; die Bohrbildplanung steuert Bruchlinien und Stückgrößen.
- Stahlscheren für Bewehrungen, Profile und Bleche; Kombischeren und Multi Cutters für wechselndes Material.
- Hydraulikaggregate passend zur benötigten Durchflussmenge und zum Leitungsweg; auf Stellplatz, Lüftung und Schlauchführung achten.
- Tankschneider für Behälter und geschlossene Einbauten, sofern die zulässigen Bedingungen (Entgasung, Freimessen, Schutzmaßnahmen) erfüllt sind.
Dokumentation und Nachweisführung
Eine nachvollziehbare Dokumentation begleitet jede Phase: Fotodokumente vor/nach Öffnung, Skizzen der Bohrbilder, Angaben zu Werkzeugen und Parametern, Begleitscheine der Materialströme sowie Protokolle zu Mess- und Kontrollwerten. Diese Unterlagen stützen die Beurteilung, ob die Teergrube fachgerecht freigelegt, Inhalte ordnungsgemäß geborgen und angrenzende Bauteile oder Böden geschützt wurden.
Besonderheiten im Bestand: Bauen im Betrieb und innerstädtische Lagen
Teergruben treten oft dort auf, wo Flächen mehrfach überformt wurden. In dicht bebauten Arealen ist die Abstimmung mit Nachbargewerken und Betriebseinheiten entscheidend. Werkzeuge mit geringer Lärmemission, kontrollierter Kraft und ohne thermische Trennung erleichtern Arbeiten unter Betrieb oder bei Nachtfenstern. Das spricht für spaltende und zangenbasierte Verfahren, die präzise und abschnittsweise eingesetzt werden können.
Materialtrennung, Verpackung und Transport
Eine klare Trennlogik reduziert Risiken und Kosten. Praxistaugliche Schritte sind:
- separate Behältnisse für teerhaltige, mineralische, metallische und organische Fraktionen,
- beschriftete, dichte Gebinde mit Auffangwannen,
- sorgfältige Reinigung von Werkzeugen und Schläuchen in gesicherten Bereichen,
- Transport nach vorab festgelegten Routen mit minimalen Umladungen.
Die konkrete Einstufung und Entsorgung richtet sich nach Analytik und geltenden Vorgaben. Generelle Aussagen ersetzen nicht die projektspezifische Bewertung.
Qualitätsmerkmale eines gelungenen Vorgehens
Erfolg zeigt sich an sauber getrennten Stoffströmen, an unversehrten Randzonen, an wenigen unkontrollierten Emissionen sowie an reproduzierbaren Arbeitsschritten. In der Ausführung unterstützen dies robuste, feinfühlig steuerbare Werkzeuge und ein Team, das Spalt-, Zangen- und Scherprozesse aufeinander abstimmt. Gerade bei Teergruben zahlt sich eine Kombination aus präzisem Greifen, gezieltem Spalten und kontrolliertem Schneiden aus.





















