Der Tagebau ist die oberflächennahe Gewinnung von mineralischen Rohstoffen in offenen Gruben. Charakteristisch sind gestufte Böschungen, Abraumbewegungen und großvolumige Materialströme. Neben klassischen Verfahren wie Bohren und Sprengen kommen heute zunehmend präzise, erschütterungsarme Hydrauliklösungen zum Einsatz, um Gestein zu lösen, Bauwerke zurückzubauen und Anlagen umzubauen. Insbesondere Stein- und Betonspaltgeräte sowie Betonzangen werden in ausgewählten Arbeitsschritten genutzt, etwa bei der Sekundärzerkleinerung, beim Rückbau von Betonfundamenten oder in sensiblen Bereichen, in denen Sprengungen vermieden werden sollen.
Definition: Was versteht man unter Tagebau
Tagebau bezeichnet den Abbau von Lagerstätten über Tage, also ohne Überdeckung durch massive Erdschichten oder Deckengebirge. Er wird für Braunkohle, Erzminerale, Industrieminerale, Naturstein und Baustoffrohstoffe eingesetzt. Die Gewinnung erfolgt entlang von Sohlen und Bermen, die als Stufen fortschreiten. Abraum (taubes Gestein) wird vom Nutzmineral getrennt und entweder verkippt oder zur Wiedereinbaugestaltung genutzt. Die Betriebsführung umfasst Geotechnik, Grubenentwässerung, Verkehrswege, Fördertechnik, Aufbereitung und Arbeitssicherheit. Ziel ist es, Rohstoffe wirtschaftlich, sicher und umweltverträglich zu gewinnen und die Fläche für eine spätere Nachnutzung vorzubereiten.
Abbaukette im Tagebau: Von der Lagerstätte zur Aufbereitung
Die Prozesskette im Tagebau folgt einem klaren Ablauf, der je nach Rohstoff und Geologie variiert, aber stets auf eine kontrollierte Materiallösung und effiziente Förderung abzielt.
- Erkundung und Planung: Geologische Modellierung, Böschungsentwurf, Wasserhaushaltskonzept, Verkehrs- und Sicherheitsplanung.
- Vorbereitende Maßnahmen: Entnahme von Deckschichten, temporäre Entwässerung, Herrichten von Fahrbahnen und Rampen.
- Materiallösung: Bohren und Sprengen oder sprengarmer Einsatz von Stein- und Betonspaltgeräten zur kontrollierten Auflockerung bzw. Sekundärzerkleinerung.
- Verladung und Transport: Radlader, Bagger, Muldenkipper oder Förderbänder bewegen das Material zur Aufbereitung.
- Aufbereitung: Brechen, Sieben, Klassieren; bei Naturstein Auswahl nach Korngröße; bei Erzen ggf. weitere Separation.
- Rückbau und Rekultivierung: Schrittweiser Rückbau temporärer Bauwerke und Formung von Landschaftselementen.
Weiches vs. hartes Gestein
In Lockergestein und Braunkohle dominieren Schaufel- und Eimerkettenlösungen. In hartem Fels sind Bohren und Sprengen verbreitet. Wo Erschütterungen, Lärm oder Splitterflug zu minimieren sind, unterstützen Steinspaltzylinder die präzise Lösung entlang vorgebohrter Löcher.
Sprengarme Alternative in sensiblen Bereichen
In der Nähe von Betriebsgebäuden, Verkehrsinfrastruktur oder empfindlichen Böschungen werden erschütterungsarme Spaltverfahren eingesetzt, um Blöcke zu öffnen, Überkorn zu zerteilen und Bermenkanten zu sichern. Das reduziert Staub- und Lärmemissionen und erleichtert die Qualitätskontrolle der Böschungsoberfläche.
Gesteinszerkleinerung im Tagebau ohne Sprengung
Die kontrollierte Zerkleinerung ist entscheidend für Ladefähigkeit, Förderleistung und Brecherauslastung. Stein- und Betonspaltgeräte erzeugen hohe Spaltkräfte im Bohrloch und trennen Gesteinskörper entlang Schwächezonen. So lassen sich übergroße Blöcke in förderbare Stücke teilen oder störende Rippen im Sohlbereich abtragen, ohne zusätzliche Erschütterungen einzutragen.
Typische Anwendungsfälle
- Sekundärzerkleinerung von Überkorn an der Ladefront
- Böschungsglättung und Entfernen von Vorsprüngen (Skalierung)
- Vorbereitung von Blockware in der Natursteingewinnung
- Punktueller Felsabbruch nahe sensibler Anlagen oder Medienleitungen
Vorteile für Betrieb und Umwelt
- Erschütterungsarm und kontrolliert, wodurch benachbarte Bauwerke geschont werden
- Reduzierter Splitterflug und geringer Lärmeintrag
- Feinsteuerung der Stückgrößenverteilung für eine gleichmäßige Brecherauslastung
Sekundärzerkleinerung, Blockmanagement und Ladefähigkeit
Ein homogener Stückstrom verringert Staus an der Primärbrechstufe. Mit Steinspaltzylindern werden Blöcke so geteilt, dass Zielkantenlängen und Gewichte die Tragfähigkeit von Schaufel, Muldenkipper oder Bandanlagen nicht überschreiten. So sinkt der Anteil manueller Nacharbeit, und das Risiko von Verklemmungen im Brecher wird minimiert.
Prozesshinweise
- Bohrlochabstand und -tiefe an Schichtmächtigkeit, Kluftbild und Kornziel anpassen
- Spaltsequenz so wählen, dass freie Kanten entstehen und Spannungen kontrolliert abgebaut werden
- Schnittstellen mit der Aufbereitung bzgl. Zielkorn abstimmen
Infrastruktur im Tagebau: Bau, Betrieb und Rückbau
Förderbrücken, Brecherstationen, Bandtrassen, Stützwände, Silos und Betriebsgebäude prägen jeden Tagebau. Diese Bauwerke müssen angepasst, versetzt oder am Ende des Abbaus zurückgebaut werden. Für den Betonabbruch und Spezialrückbau kommen werkzeugseitig unterschiedliche Lösungen zum Einsatz, die je nach Material und Einbausituation ausgewählt werden.
Fundamente, Stützen und massive Betonbauteile
Betonzangen ermöglichen das gezielte Greifen, Quetschen und Abtrennen von Betonteilen samt Bewehrung. In Kombination mit Hydraulikaggregaten lassen sich hohe Schließkräfte kontrolliert abrufen. Für vorgespannte oder besonders massive Bereiche bietet sich ein vorgelagerter Spaltvorgang mit Stein- und Betonspaltgeräten an, um Querschnitte zu reduzieren und Risspfade zu definieren.
Stahl- und Mischkonstruktionen
Bandgerüste, Förderbrücken und Rohrleitungen werden abschnittsweise demontiert. Kombischeren und Stahlscheren trennen Profile und Bleche, während Multi Cutters Kabel, Armaturen und Bewehrung zerschneiden. Für Behälter auf Betriebshöfen oder im Aufbereitungsbereich kommen Tankschneider in strukturierten Schnittfolgen zum Einsatz. Diese Arbeiten fallen in den Bereichen Entkernung und Schneiden sowie Spezialrückbau an.
Sondereinsatz unter laufendem Betrieb
Wenn Anlagen teilweise in Betrieb bleiben, sind ruhige, funkenarme und kontrollierte Verfahren gefragt. Das Planen von Schnittfolgen, Lastabtrag und Hebepunkten wird mit geeigneter Werkzeugwahl kombiniert, um Gefährdungen zu minimieren und Stillstandszeiten kurz zu halten.
Sicherheit, Emissionen und Umweltschutz im Tagebau
Arbeitssicherheit hat Priorität. Maßnahmen gegen Staub, Lärm und Erschütterungen gehören zum Standard. Stein- und Betonspaltgeräte und Betonzangen tragen dazu bei, indem sie kontrollierte, lokale Eingriffe ermöglichen. Rechtliche Vorgaben zu Immissionen, Naturschutz, Grundwasser und Abfallmanagement sind je nach Standort unterschiedlich; sie sollten frühzeitig in Planung und Ablauf integriert werden, ohne den Einzelfall vorwegzunehmen.
Emissionen minimieren
- Wassernebel und punktuelle Absaugung an Brech- und Schneidstellen
- Einsatz leiser, erschütterungsarmer Verfahren bei sensiblen Objekten
- Materialfluss so steuern, dass Umlenkpunkte und Fallhöhen reduziert werden
Rekultivierung und Nachnutzung
Nach dem Abbau folgt die Gestaltung der Landschaft. Dazu zählen die Sicherung von Böschungen, das Entfernen temporärer Bauwerke und das Verfüllen von Grubenabschnitten. Beim Rückbau kommen Betonzangen, Kombischeren und bei Bedarf Stein- und Betonspaltgeräte zum Einsatz, um Fundamente zu lösen, Beton zu zerkleinern und Stahl zu separieren. Eine frühzeitig geplante Sequenz verkürzt die Projektdauer und verbessert die Wiederverwertbarkeit der Materialien.
Planung, Qualitätssicherung und Dokumentation
Eine belastbare Planung verknüpft Geologie, Betriebsmittel, Werkzeugwahl und Instandhaltung. Qualitätskennzahlen wie Stückgrößenverteilung, Förderverfügbarkeit und Rückbaurate dienen der Steuerung. Hydraulische Werkzeuge werden über Hydraulikaggregate versorgt; deren Leistung sollte passend zu Zylinder- und Scherenanforderungen gewählt und regelmäßig geprüft werden. Dokumentierte Schnitt- und Spaltfolgen erleichtern Wiederholprozesse und erhöhen die Arbeitssicherheit.
Materialeigenschaften und Werkzeugwahl im Tagebau
Gestein und Beton reagieren unterschiedlich. Klüftige Granite, Kalksteine oder Sandsteine lassen sich effektiv entlang vorhandener Schwächezonen spalten. Stark bewehrter Beton erfordert dagegen eine Kombination aus Vorspalten und abschließendem Zerkleinern mit Betonzangen. Für Stahlbauten sind Stahlscheren zweckmäßig, während Multi Cutters für Kabel, Leitungen und Armierungen eingesetzt werden. Die Wahl des Werkzeugs orientiert sich an Festigkeit, Zähigkeit, Bewehrungsgrad und Zugänglichkeit.
Einordnung nach Einsatzbereichen
- Felsabbruch und Tunnelbau: punktuelle Lösarbeiten, Böschungssicherung, Sekundärzerkleinerung
- Natursteingewinnung: kontrolliertes Vorspalten, Blockmaßsteuerung
- Betonabbruch und Spezialrückbau: Fundamentabtrag, Anlagenrückbau
- Entkernung und Schneiden: selektiver Ausbau von Stahl- und Betonkomponenten
- Sondereinsatz: Arbeiten in sensiblen Zonen mit erhöhten Anforderungen an Erschütterungs- und Lärmschutz





















