Das Stegblech ist ein zentrales Bauteil im Stahl- und Verbundbau. Als vertikale oder geneigte Platte verbindet es die Flansche eines Trägers, überträgt Querkraft und stabilisiert die Gesamtgeometrie. In der Praxis begegnet es in Hallenträgern, Brücken, Kranbahnen, Kastenträgern, Verbundträgern mit Betonplatte sowie als Versteifung in Behältern und Schächten. Für den Betonabbruch und Spezialrückbau ist das Verständnis von Aufbau und Tragwirkung des Stegblechs wichtig, um gezielt trennen, freilegen oder Lastpfade sicher aufheben zu können – etwa beim selektiven Rückbau von Verbundquerschnitten, bei denen Betonzonen mit Betonzangen und Stein- und Betonspaltgeräte kontrolliert entfernt werden.
Definition: Was versteht man unter Stegblech
Als Stegblech (auch: Steg, Web, Webplatte) wird die in der Regel dünnere Plattenkomponente eines Trägers bezeichnet, die die Flanschbleche (Obergurt, Untergurt) verbindet. Das Stegblech nimmt überwiegend Querkraft auf, trägt zur Ausmittenbegrenzung bei und stabilisiert die Flansche gegen Ausbeulen. In geschweißten Plattenträgern und Kastenträgern wird das Stegblech aus Walzblech zugeschnitten und mit Flanschen verschweißt. In Verbundkonstruktionen arbeitet das Stegblech zusammen mit Betonbauteilen (z. B. Ortbetonplatte) über Verbundmittel, wobei es auch als Trennebene beim Rückbau eine Rolle spielt.
Bauformen und typische Geometrien von Stegblechen
Stegbleche kommen als Einzelsteg im I-Träger, als Doppelsteg in Kastenträgern oder als Versteifungsbleche in Behältern und Schächten vor. Wichtige Parameter sind Stegdicke tw, Steghöhe hw, Stegöffnungen (Durchbrüche), Sicken und Kantenverrundungen. Die Geometrie beeinflusst Ausbeulsicherheit, Querkrafttragfähigkeit und die Bearbeitbarkeit im Rückbau.
Aufbau, Begriffe und Tragwirkung
Das Tragverhalten eines Trägers wird maßgeblich durch das Stegblech bestimmt. Während Flansche hauptsächlich Biegemomente aufnehmen, überträgt der Steg die Querkraft. Bei hohen Schubspannungen kann Stegbeulen auftreten; Versteifungswinkel oder -bleche erhöhen dann die Stabilität. Stegöffnungen erleichtern Installationen, müssen aber umlaufend verstärkt werden. In Verbundträgern leitet das Stegblech Querkräfte zwischen Stahl und Beton weiter; beim Rückbau sind diese Verbundzonen gezielt zu lösen.
Werkstoffe, Normen und Qualität
Üblich sind unlegierte oder niedriglegierte Baustähle (z. B. S235, S355) nach geltenden europäischen Normen. Die Ausführung richtet sich nach anerkannten Regeln der Technik für Stahlbau und Verbundbau. Im Betrieb wirken Korrosion, Ermüdung durch Wechselbeanspruchung und lokale Einwirkungen (z. B. Kranstöße) auf das Stegblech. Saubere Schweißnähte, korrekte Kantenbearbeitung und ausreichender Korrosionsschutz sind entscheidend für die Dauerhaftigkeit.
Fertigung und Verbindungstechniken
Stegbleche werden aus Blechtafeln geschnitten (thermisch oder mechanisch), ausgerichtet und mit Flanschen verschweißt. Versteifungen werden aufgeschweißt oder verschraubt. Für Stegöffnungen gelten Mindestabstände und Kantenradien, um Spannungsspitzen zu vermeiden. Bei nachträglicher Bearbeitung im Bestand sind messarme und vibrationsarme Verfahren vorteilhaft. Im Rückbau können Betonzonen rund um Verbundbereiche mit präzisen Betonzangen für den Rückbau gelöst und mit Stein- und Betonspaltgeräte spannungsarm getrennt werden, bevor das Stegblech als Stahlkomponente separiert wird.
Typische Einsatzfelder von Stegblechen
Stegbleche finden sich in:
- geschweißten Plattenträgern und Kastenträgern im Hallen- und Brückenbau
- Kranbahnträgern und Laufkranen mit hoher Ermüdungsbeanspruchung
- Verbundträgern mit Ortbetonplatten und Halbfertigteilen
- Stahlrahmen, Stützenköpfen und Kopfplattenanschlüssen mit Stegversteifungen
- Behältern, Silos und großformatigen Schächten als Versteifungsbleche
- Sonderkonstruktionen im Tunnelbau und temporären Hilfsträgern
Rückbau und Bearbeitung: Vorgehen an Stegblechen
Beim Betonabbruch und Spezialrückbau ist ein planvolles Vorgehen entscheidend: Lasten definieren, Abstützung bereitstellen, Verbund zielsicher lösen, Stahl trennen, Material sauber separieren. Bei Verbundträgern erleichtert das Freilegen des Stegblechs die anschließende Stahltrennung. Betonzangen eignen sich zum schonenden Abtrag von Betondeckungen, während Stein- und Betonspaltgeräte kontrollierte Trennrisse schaffen. Für rein stählerne Stegbleche kommen, abhängig vom Arbeitskonzept, geeignete Schneid- oder Scherverfahren in Betracht.
Selektiver Rückbau von Verbundträgern: Beispielhafte Abfolge
- Sichtung der Bestandsunterlagen, Identifikation von Stegdicke, Versteifungen und Verbundmitteln.
- Temporäre Sicherung und Lastumlagerung, Festlegung von Trennschnitten.
- Abtrag der Betonschichten im Bereich des Stegblechs mit Betonzangen; Herstellung entlastender Trennfugen mittels Stein- und Betonspaltgeräte.
- Freilegen der Verbundstellen und kontrolliertes Lösen von Anschlussdetails.
- Trennen des freigelegten Stegblechs entlang der vorgesehenen Schnittlinien; Sortenreine Separierung von Stahl und Beton.
Öffnungen, Versteifungen und Details am Stegblech
Stegöffnungen (z. B. für Leitungsdurchführungen) verändern Querkraftfluss und Stegsteifigkeit. Umlaufende Rahmen oder Laschen verteilen Spannungen. Quer- und Längsversteifungen verhindern Stegbeulen bei schlanken Stegen. Beim Rückbau sind diese Details relevant, weil sie Schnittwege, Werkzeugzugang und Abfolge der Trennarbeiten bestimmen und Punktlasten umlenken können.
Schäden, Instandsetzung und Bewertung im Bestand
Typische Schadensbilder sind Korrosionsabtrag an Kanten, Ausdünnung der Stegdicke, Rissbildung an Schweißnähten, Beulwellen zwischen Versteifungen und Kerben an Öffnungen. Eine Instandsetzung kann Verstärkungsbleche, aufgeschweißte Laschen oder Austauschabschnitte umfassen. Für den Rückbau entscheidend sind die Materialtrennung, die Minimierung von Funkenflug und Vibrationen sowie der sichere Umgang mit Restspannungen, die im Stegblech gespeichert sein können.
Arbeitssicherheit und organisatorische Hinweise
Maßnahmen zur Standsicherheit, Staub- und Lärmminderung, Brandschutz bei Heißarbeiten und eine klare Schnittstellenkoordination sind wesentlich. Arbeiten an tragenden Stegblechen erfolgen nur nach geeigneter Sicherung. Rechtliche Anforderungen können je nach Projekt variieren; es sind stets die einschlägigen Vorschriften und Freigaben zu beachten, ohne dass dadurch Einzelfallentscheidungen ersetzt werden.
Nachhaltigkeit, Demontage und Recycling
Eine sortenreine Trennung erhöht den Recyclinggrad. Stahl aus Stegblechen ist gut wiederverwertbar, Beton kann als Recyclingkörnung aufbereitet werden. Der Einsatz erschütterungsarmer Verfahren – etwa das Spalten anstelle großflächiger Schlagarbeit – reduziert Emissionen, schützt angrenzende Bauteile und verbessert die Materialqualität für die Wiederverwendung.
Planung, Dokumentation und Qualitätssicherung
Vor Beginn sollten Geometrie, Materialkennwerte, Versteifungen und potenzielle Verbundzonen dokumentiert werden. Während der Ausführung helfen eindeutige Schnitt- und Arbeitspunkte, Messprotokolle und eine laufende Kontrolle der Stabilität. Abschließend unterstützen fotobasierte Nachweise und Stoffstromnachweise eine transparente Dokumentation.





















