Das Stangeisen ist ein klassisches Handwerkzeug für Hebel- und Keilarbeiten auf der Baustelle und im Steinbruch. Es unterstützt das gezielte Lösen, Bewegen oder Nachbrechen von Beton, Mauerwerk und Naturstein und ergänzt damit schlagkräftige hydraulische Werkzeuge im Betonabbruch und Spezialrückbau, bei der Entkernung und dem Schneiden sowie im Felsabbruch und Tunnelbau und in der Natursteingewinnung. Im Zusammenspiel mit Betonzangen für Nacharbeiten sowie Stein- und Betonspaltgeräten im Einsatz ermöglicht das Stangeisen präzises Nacharbeiten, kontrolliertes Öffnen von Fugen und das sichere Handling gelöster Bauteile.
Definition: Was versteht man unter Stangeisen
Unter einem Stangeisen versteht man eine robuste, meist aus vergütetem Stahl gefertigte Hebelstange mit einer oder zwei bearbeiteten Enden (z. B. Spitze, Meißel oder Klaue). Es dient dem Ansetzen von Hebelkräften, dem Aufweiten bestehender Fugen und Risse, dem Aushebeln von Bauteilen sowie dem Nachbrechen vorgekerbter oder vorgespaltener Bereiche. Je nach Ausführung wird das Stangeisen auch als Hebeleisen, Brechstange, Nageleisen oder Kuhfuß bezeichnet. Typische Längen reichen von etwa 60 cm für beengte Arbeiten bis über 150 cm für große Hebelwege und hohe Kräfte.
Aufbau, Formen und Werkstoffe von Stangeisen
Stangeisen bestehen aus zähem, verschleißfestem Stahl mit glatter oder griffig strukturierter Oberfläche. Profile (rund, sechskant, flachoval) beeinflussen Griffigkeit und Verwindungssteifigkeit. Die Enden sind je nach Einsatzzweck als Spitze zum Ansetzen in kleinen Spalten, als Meißel zum Aufweiten oder als Klaue/Kuhfuß zum Unterfahren von Kanten ausgeführt. Längere Stangen erhöhen den Hebelarm und damit die mögliche Kraftübertragung, erfordern jedoch eine sichere Arbeitsumgebung und kontrollierte Körperhaltung.
Endgeometrien und Profile
Spitzen ermöglichen das präzise Einsetzen in feine Risse, meißelförmige Enden verteilen Kräfte an Kanten, und klauenförmige Enden unterfahren Bauteile oder greifen um Armierungen. Sechskantprofile bieten guten Halt in Handschuhen, Rundprofile lassen sich leichter drehen, flache Querschnitte gleiten gut in Fugen.
Längen, Masse und Handling
Kurzformate (ca. 60–90 cm) sind für die Entkernung und das Öffnen kleiner Fugen geeignet. Mittlere Längen (ca. 100–130 cm) decken typische Nachbrucharbeiten an Betonbauteilen ab. Lange Stangen (ca. 150–200 cm) sind für das Versetzen schwerer Stücke oder das Aufweiten breiter Spaltkanäle vorgesehen und sollten mit erhöhter Umsicht eingesetzt werden.
Hebelwirkung und Arbeitsprinzip
Das Stangeisen nutzt das Hebelgesetz: Ein langer Hebelarm reduziert den nötigen Kraftaufwand am Griff und vergrößert die Kraft an der Ansatzstelle. Ein stabiles Widerlager ist entscheidend, ebenso ein kontrollierter Kraftaufbau. Keilwirkung entsteht, wenn die Spitze oder das meißelförmige Ende in einen Riss gesetzt und mit Maß druckbeaufschlagt wird. So lassen sich vorgespannte oder vorgeschwächte Zonen schrittweise öffnen, ohne unkontrollierte Brüche zu provozieren.
Auflager und Schutz der Kontaktflächen
Zwischen Stangeisen und Bauteil können Zwischenlagen (z. B. Hartholzklötze) als Schonkeile dienen, um Kanten zu schützen und Druckpunkte zu verteilen. Rutschhemmung und die Vermeidung von Scherkräften verbessern die Kontrolle beim Hebeln.
Stangeisen im Betonabbruch und Spezialrückbau
Beim Abbruch von Stahlbeton entstehen nach dem Einsatz von Betonzangen kontrollierte Risse, Bruchkanten und Restverbindungen. Hier setzt das Stangeisen an, um Bauteile nachzuarbeiten, lose Stücke zu lösen oder Fugen zu öffnen, ohne zusätzliche Energie einzubringen.
Typische Arbeitsschritte im Zusammenspiel mit Betonzangen
- Rissaufnahme prüfen und Ansatzpunkte für das Stangeisen definieren.
- Stangeisen mit meißelförmigem Ende an der Bruchfuge ansetzen und mit moderatem Druck öffnen.
- Reststücke aus Hebelstellung herauslösen und sicher ablegen.
- Freigelegte Bewehrung mit Stangeisen vorformen oder freilegen, um sie anschließend mit Stahlscheren oder Multi Cutters zu durchtrennen.
Nachbrechen und Kantenkontrolle
In Bereichen, in denen Betonzangen bewusst Material stehen lassen (z. B. an Leitungen, Knotenpunkten oder sensiblen Anschlüssen), hilft das Stangeisen beim kontrollierten Nachbrechen in kleinen Schollen. Das verringert das Risiko für Sekundärschäden an angrenzenden Bauteilen.
Stangeisen bei Stein- und Betonspaltarbeiten
Stein- und Betonspaltgeräte schaffen definierte Spaltfugen. Das Stangeisen dient anschließend zum Aufweiten der Fuge, zum Lösen von Keilspannungen und zum Abheben der gespaltenen Teile. So lassen sich Spaltflächen erhalten und Bruchbilder gezielt steuern.
Arbeitsablauf mit Stein- und Betonspaltgeräten
- Spaltkeile setzen und die gewünschte Fuge erzeugen.
- Stangeisen an mehreren Punkten mit geringer Last ansetzen, um Spannungen gleichmäßig abzubauen.
- Bauteile schrittweise lösen, sichern und erst dann bewegen.
Einsatz in Entkernung und Schneiden
Bei Teilrückbauten und Entkernungen wird das Stangeisen genutzt, um Verkleidungen, Zwischenwände, Mörtelfugen und Einbauteile mechanisch zu lösen. Nach dem Abtrennen von Bauteilen kann es Verformungen an Blechen oder Profilen herstellen, um Schnittlinien für Stahlscheren, Kombischeren oder Multi Cutters zugänglich zu machen.
Fugenöffnen und Bauteiltrennung
Mit spitzem Ende werden Fugen geöffnet; das meißelförmige Ende schafft Raum für das sichere Ansetzen weiterer Werkzeuge. Kurze Stangeisen sind vorteilhaft, wenn Platz fehlt oder nahe an sensiblen Leitungen gearbeitet wird.
Felsabbruch und Tunnelbau
Im felsigen Umfeld dient das Stangeisen zum Aufweiten bestehender Klüfte, zum Entfernen von gelösten Schuppen und zur Orientierung gelöster Brocken nach dem Einsatz von Steinspaltzylindern. Es unterstützt das „Skalieren“ von lockeren Gesteinsstücken an Ortsbrust und Strosse, bevor maschinelle Geräte nachsetzen.
Kontrollierte Keilwirkung im Gestein
Die Spitze wird flach an natürliche Schwächezonen gesetzt. Kurze, kontrollierte Hebelbewegungen minimieren ungewollte Ausbrüche und erhalten tragfähige Flächen für den nächsten Arbeitsschritt.
Natursteingewinnung
Bei der Gewinnung und Bearbeitung von Naturstein wird das Stangeisen verwendet, um Blöcke aus dem Verband zu lösen, die Spaltlinie zu öffnen oder Blöcke auf Holzunterlagen auszurichten. Zusammen mit Stein- und Betonspaltgeräten bleibt die Spaltfläche sauber, was weitere Bearbeitungsschritte begünstigt.
Ausrichten und Unterbauen
Mit dem Stangeisen können Blöcke feinfühlig angehoben und unterbaut werden. Kurze Hebelbewegungen und Zwischenlagen verhindern Kantenabbrüche.
Sondereinsatz und beengte Verhältnisse
Wo hydraulische Werkzeuge aufgrund von Zugang, Gewicht oder Medienversorgung nicht unmittelbar eingesetzt werden, ist das Stangeisen ein vielseitiges Hilfsmittel für provisorische Sicherungen, das kurzfristige Bewegen kleiner Bauteile und das Freilegen von Ansatzpunkten für weitere Geräte. In beengten Räumen sind kurze Stangeisen mit schlanken Enden von Vorteil.
Auswahlkriterien für passende Stangeisen
Die Wahl des richtigen Stangeisens richtet sich nach Material, Bauteildicke, gewünschter Hebelkraft und Platzangebot. Wichtige Kriterien sind Geometrie der Enden, Profil, Länge und die Oberflächenbeschaffenheit für sicheren Griff.
Praxisorientierte Kriterien
- Endform: Spitze für Risse; Meißel für Fugen; Klaue für Unterfahren.
- Länge: So kurz wie möglich, so lang wie nötig – Hebelweg versus Platzbedarf.
- Profil: Sechskant für Griffigkeit; rund für Drehbarkeit in engen Fugen.
- Werkstoff und Wärmebehandlung: Zähigkeit gegen Absplittern, verschleißfest an den Enden.
Sichere Anwendung und Ergonomie
Sichere Körperhaltung, rutschfester Stand und klare Kommunikation im Team sind wesentlich. Die Kraft sollte kontrolliert aufgebaut werden; ruckartige Bewegungen nur, wenn die Bauteilsituation das zulässt. Persönliche Schutzausrüstung umfasst Handschuhe, Schutzbrille und je nach Umgebung Gehörschutz und Sicherheitsschuhe.
Unfallvermeidung
- Nie zwischen Bauteil und Widerlager fassen – Quetschgefahr.
- Kontaktflächen frei von Schmutz und Schmiermitteln halten.
- Nur passende Ansatzpunkte wählen, keine spröden Kanten überlasten.
- Stangeisen nicht als Schlagwerkzeug verwenden, sofern es dafür nicht ausgelegt ist.
Pflege, Kontrolle und Lebensdauer
Regelmäßige Sichtprüfung erkennt Risse, Ausbrüche oder Pilzbildung an den Enden. Beschädigte oder stark abgenutzte Enden sollten sachgerecht nachgearbeitet oder das Werkzeug ausgetauscht werden. Trockene, geschützte Lagerung verhindert Korrosion, eine leichte Ölung kann den Oberflächenschutz verbessern.
Zusammenspiel mit Geräten der Darda GmbH
Als ergänzendes Handwerkzeug schließt das Stangeisen die Lücke zwischen grober Kraft und feiner Kontrolle. Nach dem Einsatz von Betonzangen lassen sich Fugen öffnen, Bruchlinien nacharbeiten und Bewehrungen freilegen. Nach Arbeiten mit Stein- und Betonspaltgeräten unterstützt es das schonende Lösen und Sichern der gespaltenen Teile. In Kombination mit Stahlscheren, Kombischeren oder Multi Cutters hilft das Stangeisen beim Ausrichten, Vorbiegen oder Freilegen von Schnittzonen. So werden Arbeitsabläufe im Betonabbruch, bei Entkernung und Schneiden sowie im Felsabbruch effizient, materialgerecht und kontrolliert.





















