Die Scherfestigkeit beschreibt den Widerstand eines Materials gegen das Abscheren entlang einer potenziellen Gleitebene. In der Praxis des Betonabbruchs, des Felsabbaus und der Natursteingewinnung bestimmt sie maßgeblich, wie sich Beton, Stahlbeton und Gestein unter Scherkraft, Druck und Zug verhalten. Für Anwendungen mit Betonzangen für kontrollierten Rückbau sowie Stein- und Betonspaltgeräte im Rückbau der Darda GmbH ist das Verständnis der Scherfestigkeit grundlegend, um Bruchmechanismen vorherzusagen, Arbeitsfolgen zu planen und kontrollierte Trennungen mit möglichst geringer Randbeschädigung zu erreichen. Sie ist zugleich ein Schlüsselkriterium für Planbarkeit, Prozesssicherheit und die gezielte Minimierung von Begleitschäden an angrenzenden Bauteilen.
Definition: Was versteht man unter Scherfestigkeit?
Unter Scherfestigkeit versteht man die maximal aufnehmbare Schubbeanspruchung eines Werkstoffs, bevor es entlang einer Ebene zum Scherbruch kommt. Sie wird in der Regel als Grenzwert der Scherspannung definiert und hängt vom inneren Verbund (Kohäsion), der Oberflächenrauheit potenzieller Risse und der Normalspannung auf der Scherebene ab. In Beton und Gestein beeinflussen zusätzlich Kornstruktur, Feuchtegehalt, Alterung, Temperatur und Belastungsgeschwindigkeit die resultierende Schertragfähigkeit. Stahlbeton zeigt ein komplexes Verhalten, weil Bewehrung, Zuschlagrauhigkeit und Rissverzahnung (Aggregate Interlock) die Schubtragwirkung mitbestimmen. In ingenieurtechnischen Modellen wird die Scherfestigkeit häufig über das Mohr-Coulomb-Kriterium beschrieben, das Kohäsion c und Reibungswinkel phi kombiniert und damit die Abhängigkeit von der anliegenden Normalspannung explizit erfasst. Zeitabhängige Effekte wie Kriechen und Ermüdung können die nutzbare Scherfestigkeit bei wiederholter oder langdauernder Beanspruchung merklich reduzieren.
Mechanische Grundlagen und Einflussfaktoren
Die Scherfestigkeit mineralischer Baustoffe ergibt sich aus dem Zusammenspiel von kohäsiven Kräften und Reibungsanteilen auf mikroskopischen Trennebenen. Unter steigender Normalspannung nimmt die Reibungskomponente zu, sodass höhere Scherkräfte aufgenommen werden können. In heterogenen Materialien wie Beton oder Naturstein bilden sich bevorzugte Gleitebenen entlang von Übergängen mit geringerer Verbundfestigkeit, etwa an Korn-Grenzflächen, Mikrorissen oder Klüften. Zusätzlich wirken Dilatanz und Größeneffekte: Mit zunehmender Rauheit und Verzahnung der Bruchfläche steigt die Schertragfähigkeit, während größere Bauteilabmessungen tendenziell zu geringeren nominellen Festigkeiten führen.
Zentrale Einflussgrößen
- Materialaufbau: Zementsteinmatrix, Zuschlagkörnung, Porenstruktur und eventuelle Gefügeanisotropie bestimmen die Schertragfähigkeit.
- Feuchte und Temperatur: Feuchte reduziert oft die Kohäsion; Frost-Tau-Wechsel begünstigen Mikroschäden.
- Belastungsgeschwindigkeit: Schnellere Lastaufbringung kann scheinbar höhere Festigkeiten liefern, aber sprödere Bruchbilder hervorrufen.
- Normalspannung: Höhere Anpressung erhöht den Reibungsanteil und damit die Scherfestigkeit entlang rauer Bruchflächen.
- Rissrauhigkeit: Verzahnung an aufgerauten oder gezahnten Trennebenen steigert den Schubwiderstand.
- Bewehrung (bei Stahlbeton): Querkraftbewehrung, Dübelwirkung und Verbund beeinflussen Schubtragwiderstand und Rissbildung.
- Größeneffekt: Mit wachsender Bauteilabmessung sinkt die nominelle Scherfestigkeit aufgrund statistischer Schwächungen und veränderter Rissmechanik.
- Vorbelastung und Ermüdung: Zyklische Beanspruchung und Vorschädigungen senken die wiederholbare Schubtragfähigkeit.
Scherfestigkeit in Beton und Stahlbeton
Beton weist eine spröde Bruchcharakteristik auf; Schubrisse entstehen bevorzugt entlang Zonen geringer Zugfestigkeit und an Übergängen zwischen Zuschlag und Matrix. In Stahlbeton kommen Querkraftbewehrung, Verbund- und Verzahnungswirkung hinzu, die die Schertragfähigkeit erhöhen. Für den Abbruch bedeutet dies: Rissinitiierung, Kerbwirkung und kontrolliertes Nachführen der Scherebene bestimmen, wie effizient und planbar Bauteile getrennt werden. In der Bemessung werden diese Mechanismen unter anderem über Druckstreben- und Rissreibungskonzepte erfasst, wobei typische Schubrisswinkel im Bereich von etwa 25 bis 45 Grad auftreten und durch Bewehrungsführung, Betondeckung und Bauteilgeometrie beeinflusst werden.
Relevanz für Betonzangen
- Die Anordnung der Schneid- und Brechzonen der Betonzangen zielt darauf, Schubrisse zu induzieren und entlang der schwächsten Ebenen fortzuleiten.
- Durch Vorbrüche und definierte Angriffsstellen kann die wirksame Scherfestigkeit eines Bauteils lokal reduziert werden, wodurch geringere Kräfte zum Trennen erforderlich sind.
- Bei stark bewehrten Querschnitten beeinflusst die Verbundwirkung zwischen Beton und Stahl das Schertragverhalten; das Vorgehen berücksichtigt daher das Zusammenspiel aus Scheren, Brechen und Herauslösen der Bewehrung.
- Backengeometrie, Rotationsposition und kontrollierte Druckrampe unterstützen eine stabile Rissführung nahe der Schergrenze und reduzieren unerwünschte Bruchsprünge.
Scherfestigkeit von Natur- und Felsgestein
Gesteine besitzen material- und lagerungsabhängige Scherfestigkeiten. Neben der Intaktfestigkeit bestimmt die Kluftraumstruktur die reale Schertragfähigkeit des Felsverbandes: Rauheit, Verfüllungen, Wassergehalt und die Orientierung der Diskontinuitäten sind ausschlaggebend. Im Felsabbruch und Tunnelbau wird die natürliche Schwächung genutzt, um Trennebenen zu aktivieren. Konzepte wie JRC-JCS oder vergleichbare Rauheits- und Festigkeitskennwerte beschreiben die Schubtragwirkung geklüfteter Felsen und die ausgeprägte Dilatanz rauer Fugen.
Bezug zu Stein- und Betonspaltgeräten
- Spaltkeile erzeugen lokale Zug- und Druckfelder, die vorhandene Kluftsysteme aktivieren; entlang dieser Ebenen bricht der Fels durch kombinierte Zug- und Scherbeanspruchung.
- Durch gezielte Keilpositionierung lässt sich die erforderliche Spaltkraft senken, weil die Scherfestigkeit entlang bereits geschwächter Ebenen geringer ist.
- In der Natursteingewinnung ermöglicht die Berücksichtigung von Lagerung und Schubwiderstand saubere Trennflächen mit geringer Randabplatzung.
- Bohrlochdurchmesser, Achsabstand und Einbringtiefe werden auf das erwartete Scher- und Spaltverhalten abgestimmt, um gleichmäßige Rissfortschritte zu erzielen.
Prüfverfahren zur Bestimmung der Scherfestigkeit
Die Ermittlung der Scherfestigkeit erfolgt je nach Material und Projektziel mit unterschiedlichen Labor- und Feldversuchen. Die Auswahl orientiert sich an der Struktur des Baustoffs, der erforderlichen Genauigkeit und den Randbedingungen des Einsatzortes. Häufig ist die Kombination aus Laborparametern und bauteilnahen Referenztests zweckmäßig, um Skalen- und Randreibungseffekte zu berücksichtigen.
Direktscher- und Ringscher-Versuche
Bei Direktscher- oder Ringscherversuchen wird eine Probe unter kontrollierter Normalspannung abgeschert. So lassen sich Kohäsions- und Reibungsanteile trennen und Parameter für rechnerische Abschätzungen ableiten. Aus den Ergebnissen werden üblicherweise c, Reibungswinkel und gegebenenfalls ein Dilatanzwinkel abgeleitet, wobei Probenpräparation und Randreibung die Messwerte beeinflussen können.
Triaxial- und äquivalente Verfahren
Konfinede Prüfungen unter seitlicher Einspannung liefern Informationen über Scherwiderstand bei unterschiedlichen Spannungszuständen, wie sie im Bauwerk oder Felsverband auftreten können. Sie ermöglichen zudem Aussagen zum Nachbruchverhalten und zur Spannungsumlagerung bei fortschreitender Rissbildung.
Bauteilnahe Tests
Push-off-, Verbund- oder Kerbversuche an Betonteilen erfassen realistische Schubtragmechanismen, einschließlich Verzahnung, Verbund und Bewehrungsmitwirkung. Vor Ort können orientierende Rückbauproben helfen, Bruchverhalten und Rissverlauf für die Geräteführung abzuschätzen. Die Übertragbarkeit auf das Zielbauteil erfordert die Berücksichtigung der tatsächlichen Randbedingungen und Lastpfade.
Scherfestigkeit im Betonabbruch und Spezialrückbau
Im Rückbau entscheidet die Scherfestigkeit über Wahl der Trennung, Reihenfolge der Schnitte und die Führung der Lastpfade. Ziel ist, Schubrisse kontrolliert zu initiieren und entlang definierter Ebenen fortzusetzen, um Bauteile abschnittsweise zu lösen und Folgeschäden zu vermeiden. Gleichzeitig werden Vibrationen, Staub- und Lärmemissionen begrenzt, indem Rissfortschritte planbar und in kleinen, gut kontrollierbaren Schritten erfolgen.
Einsatz von Betonzangen
- Vorritz- oder Vorpressschritte schwächen Querschnitte, reduzieren die lokale Scherfestigkeit und erleichtern das anschließende Abtrennen.
- Bei Platten, Wänden und Trägern wird die Lage möglicher Schubrisse (z. B. Schrägrisszonen) genutzt, um Angriffsrichtungen und Etappen festzulegen.
- In entkernten Bereichen kann eine geringere Zwangsbeanspruchung die Schertragfähigkeit senken und das Abheben von Segmenten erleichtern.
- Öffnungs- und Schließgeschwindigkeit sowie definierte Druckstufen beeinflussen die Stabilität des Rissvortriebs und vermindern unkontrollierte Scherabbrüche.
Stein- und Betonspaltgeräte im Rückbau
- Keilstellungen quer zu erwarteten Gleitebenen unterstützen die gezielte Rissführung, wodurch Scherbruch kontrolliert abläuft.
- In massiven Fundamenten lässt sich der Schubwiderstand abschnittsweise reduzieren, indem Spaltpunkte in einem Raster gesetzt werden.
- Die Kombination aus Spalten (Rissinitiierung) und Zangenarbeit (Rissfortschritt) nutzt das abgesenkte Schertragvermögen optimal aus.
- Bohrlochraster, Vorentlastungsbohrungen und die Orientierung der Keile werden so gewählt, dass Schubpfade gezielt entfestigt und Randabplatzungen vermieden werden.
Entkernung und Schneiden: Schnittführung vs. Scherwiderstand
Beim Entkernen und Trennen von Bauteilen ist die Schnittführung so zu wählen, dass verbleibende Restquerschnitte keine ungewollten Schubrisse erzeugen. Schnittfugen, Kernbohrungen und Vortrennungen dienen dazu, Schubpfade zu entlasten und kontrollierbare Bruchkanten vorzugeben. Betonzangen können anschließend entlang vorbereiteter Schwächezonen mit reduzierter Scherfestigkeit arbeiten. Das Prinzip Trennen vor Abtragen sorgt dafür, dass Lastumlagerungen begrenzt und kritische Scherpfade frühzeitig unterbrochen werden.
Planungshilfen für Felsabbruch und Tunnelbau
Die Anordnung von Spaltpunkten, die Ausrichtung von Angriffsrichtungen und die Sequenz der Schritte richten sich nach Kluftsystemen und ihrem Scherwiderstand. Ziel ist, Scherebenen zu aktivieren, ohne unkontrollierte Abplatzungen oder Umlenkungen des Rissverlaufs zu provozieren. Prognosen zum Rissverlauf profitieren von der Kombination aus Kartierung, Probebelastungen und kontinuierlicher Beobachtung der Reaktionskräfte.
Bewährte Vorgehensweisen
- Gefügeanalyse: Orientierung und Rauheit vorhandener Diskontinuitäten bestimmen.
- Vorkonditionierung: Vorbelastungen oder Vorbohrungen schaffen definierte Startpunkte.
- Kraftpfadführung: Spalt- und Scherkräfte so einleiten, dass Risse entlang geplanter Ebenen laufen.
- Abschnittsweise Trennung: Kleine Schritte reduzieren ungewollte Scherumlagerungen.
- Monitoring und Dokumentation: Druckniveau, Bewegungen und Bruchbilder fortlaufend erfassen und die Sequenz bedarfsgerecht anpassen.
Einfluss des Hydrauliksystems auf die Scherbeanspruchung
Hydraulikaggregate liefern die Druck- und Volumenstromparameter, die das Verhältnis aus Kraft, Weg und Geschwindigkeit bestimmen. Für Betonzangen sowie Stein- und Betonspaltgeräte sind reproduzierbare Druckniveaus wesentlich, um die Rissinitiierung und den Scherbruch kontrolliert zu steuern. Eine feinfühlige Regelung erleichtert das Arbeiten nahe an der Schergrenze, ohne sprunghafte Brüche zu provozieren. Einflussgrößen wie Schlauchlängen, Temperatur und Druckverluste werden auf einen stabilen, gut dosierbaren Energieeintrag abgestimmt.
Typische Schadensbilder bei Überschreitung der Scherfestigkeit
- Schrägrisse in Balken- und Wandbereichen als Ausdruck kombinierter Biege- und Schubbeanspruchung.
- Abscheren entlang Fugen oder Kontaktflächen mit geringem Verbund (z. B. Konstruktionsfugen, Einbindungen).
- Risssprünge an Inhomogenitäten, wenn lokale Scherfestigkeit stark variiert.
- Abplatzungen an Kanten, wenn Schubreibung zusammenbricht und Querzug dominiert.
- Keilabplatzungen an Bohrlochreihen durch überlagerte Schub- und Zugfelder bei ungleichmäßiger Kraftverteilung.
- Schollenbildung mit unkontrolliertem Rissverlauf bei fehlender Entlastung von Schubpfaden.
Arbeits- und Sicherheitsaspekte
Die Annäherung an die Schergrenze erfordert umsichtiges Vorgehen. Lastumlagerungen, Resttragreserven und Randbedingungen auf der Baustelle sind fortlaufend zu beobachten. Entscheidungen zu Vorgehensweise und Reihenfolge sollten projektspezifisch erfolgen, wobei Messungen, Sichtkontrollen und erprobte Arbeitsabläufe helfen, unkontrollierte Scherbrüche zu vermeiden. Rechtliche Vorgaben und anerkannte Regeln der Technik sind generell zu beachten. Schutzbereiche, Abstützungen und definierte Abschaltdrücke tragen zusätzlich zu einem sicheren, reproduzierbaren Arbeitsablauf bei.
Bezug zu weiteren Produkten und Einsatzbereichen
Kombischeren, Multi Cutters, Stahlscheren und Tankschneider arbeiten je nach Werkstoff mit unterschiedlichen Mischformen aus Schneiden, Reißen und Scheren. Auch hier ist die Scherfestigkeit des Zielmaterials – ob Beton, Stein, Stahl oder Verbund – ein maßgeblicher Parameter für Schnittfolge, Angriffsrichtung und Kraftbedarf. In Sondereinsätzen mit begrenztem Zugang oder sensibler Umgebung spielt die präzise Steuerung der Schubbeanspruchung eine zentrale Rolle, um Vibrationen, Lärm und Randbeschädigungen gering zu halten. Bei Mehrschicht- und Verbundbauteilen werden Delaminationen, Faserbrüche oder Grenzflächenversagen im Sinne eines kontrollierten, schersicheren Trennpfads berücksichtigt.
Praxisorientierte Hinweise zur Vorbereitung
- Bauteil- und Gefügeanalyse, inklusive potenzieller Gleitebenen und Verbundbereiche.
- Festlegung von Angriffsstellen, die die lokale Scherfestigkeit gezielt reduzieren (Vorbohrungen, Kerben).
- Abstimmung von Werkzeuggeometrie und Kraftniveau auf das erwartete Schertragverhalten.
- Schrittweises Vorgehen mit Kontrolle des Rissfortschritts nach jedem Lastschritt.
- Dokumentation der Bruchbilder, um den weiteren Ablauf zu optimieren.
- Probefeld oder Musterabtrennung zur Verifizierung der Rissführung und Feinjustierung der Parameter.
- Abstimmung der Hydraulikeinstellungen auf Materialzustand, Bauteildicke und gewünschte Rissgeschwindigkeit.
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