Regiearbeiten Abbruch

Regiearbeiten im Abbruch sind eine bewährte Organisations- und Abrechnungsform für Rückbauprojekte mit schwer kalkulierbaren Randbedingungen. Sie kommen zum Tragen, wenn Bauteile verdeckt sind, Bestandspläne unvollständig vorliegen oder besondere Schutzgüter (z. B. Anwohner, historische Substanz, sensible Anlagen) zu beachten sind. In solchen Situationen erlaubt die Arbeit nach Aufwand eine präzise Steuerung von Personal, Geräten und Methoden – etwa beim Einsatz von Betonzangen oder Stein- und Betonspaltgeräten – und unterstützt eine kontrollierte, erschütterungsarme Vorgehensweise im Betonabbruch, bei der Entkernung oder im Spezialrückbau.

Definition: Was versteht man unter Regiearbeiten Abbruch

Unter Regiearbeiten im Abbruch versteht man Leistungen, die nicht pauschal oder nach Einheitspreisen, sondern nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet werden. Grundlage sind dokumentierte Zeiten, eingesetzte Geräte und Hilfsstoffe sowie nachvollziehbare Leistungsnachweise. Diese Form eignet sich für selektiven Rückbau, unklare Mengen, variable Bauzustände und Aufgaben mit hoher Unwägbarkeit – etwa bei überraschend starker Bewehrung, bei erschwerten Zugängen oder bei Auflagen zu Lärm und Erschütterungen. Regiearbeiten schaffen Flexibilität, erhöhen die Transparenz im Bauablauf und ermöglichen die situative Wahl geeigneter Verfahren wie hydraulisches Spalten, Schneiden oder Zerkleinern.

Anwendungsfälle: Wann Regiearbeiten im Abbruch sinnvoll sind

Regiearbeiten bewähren sich insbesondere dort, wo sich der Leistungsumfang erst während der Ausführung konkretisieren lässt. Dazu zählen Innenabbruch mit begrenzter Tragfähigkeit, Rückbauten im Bestand mit aktiven Leitungen, Schadensereignisse oder Teildemontagen an komplexen Bauwerken. In diesen Szenarien lassen sich Geräte wie Betonzangen oder Stein- und Betonspaltgeräte bedarfsgerecht disponieren, um Bauteile stufenweise zu lösen, Bewehrung freizulegen und Materialströme geordnet zu führen. Durch die enge Verzahnung von Baustellenführung, Nachweisführung und Gerätewahl bleibt die Kontrolle über Qualität, Tempo und Risiken gewährleistet.

Leistungsumfang und Abgrenzung

Zum Leistungsumfang unter Regie zählen die gezielte Demontage, das Trennen von Bewehrung, das Spalten oder Zerkleinern von Beton/Fels, das stückweise Abtragen sowie der sichere Transport zum Abwurf- oder Sammelpunkt. Abzugrenzen sind vorbereitende Nebenleistungen (z. B. Abschottungen, Schutzwände), die separat vereinbart werden sollten. Üblich ist eine klare Strukturierung in Personal-, Geräte- und Materialpositionen, ergänzt um Rüst-, Warte- und Dokumentationszeiten. Für die Abrechnung sind Stundenberichte und Aufmaße mit Fotodokumentation hilfreich, um den Fortschritt transparent zu halten.

Technikwahl unter Regie: kontrollierter Rückbau

Die Stärke der Regie liegt in der methodischen Flexibilität: Je nach Bauzustand werden Verfahren kombiniert, um Erschütterungen, Lärm und Staub zu minimieren und die Standsicherheit zu wahren. Häufig genutzte Gerätegruppen sind:

  • Betonzangen: Für präzises Abbeißen, Quetschen und Separieren von Betonbauteilen; gut geeignet zur Freilegung und Trennung von Bewehrung, besonders im selektiven Rückbau und bei Betonabbruch in beengten Bereichen.
  • Stein- und Betonspaltgeräte: Hydraulisches, erschütterungsarmes Spalten von Beton und Naturstein; vorteilhaft bei massiven Querschnitten, bei sensiblen Umgebungen oder in statisch kritischen Bauphasen.
  • Hydraulikaggregate: Energieversorgung für mobile und handgeführte Anbaugeräte; zentrale Komponente zur Gewährleistung konstanter Leistung im Takt der jeweiligen Kolonne.
  • Kombischeren und Multi Cutters: Für universelle Schneid- und Quetschaufgaben im Mischabbruch, wenn Materialwechsel oder wechselnde Bauteilstärken auftreten.
  • Stahlscheren: Für das effiziente Trennen von Bewehrung, Trägern und metallischen Einbauten im Zuge der Demontage.
  • Steinspaltzylinder: Speziell für punktuelle Spaltaufgaben in Fels oder stark armiertem Beton; auch in Bohrlochrastern einsetzbar.
  • Betonzangen in Verbindung mit Tankschneidern: Bei Anlagenrückbau und Entkernung, wenn Behälter, Schächte oder Hohlkörper kontrolliert geöffnet und anschließende Betonreste entfernt werden müssen.

Einsatzbereiche und typische Vorgehensweisen

Betonabbruch und Spezialrückbau

In anspruchsvollen Rückbauprojekten erlaubt der Regiebetrieb die anpassungsfähige Kombination aus Betonzangen für die selektive Zerkleinerung und Stein- und Betonspaltgeräten für erschütterungsarmes Lösen massiver Abschnitte. So können Bauteile stufenweise abgetragen und Lastpfade kontrolliert verändert werden.

Entkernung und Schneiden

Bei der Entkernung werden Nichttragendes und Einbauten getrennt. Multi Cutters, Kombischeren und Stahlscheren übernehmen die materialgerechte Demontage, während Betonzangen verbleibende Betonlamellen oder Dübelbereiche entfernen. Hydraulikaggregate sichern die Energieversorgung und Taktung.

Felsabbruch und Tunnelbau

Stein- und Betonspaltgeräte sowie Steinspaltzylinder werden genutzt, um Fels kontrolliert zu lösen – etwa bei Querschnittserweiterungen, Nischen oder Portalbereichen. Die Arbeit nach Regie erleichtert das Reagieren auf variierende Gesteinsgefüge und unvorhersehbare Klüfte.

Natursteingewinnung

Beim selektiven Lösen von Naturstein reduzieren hydraulische Spaltverfahren Sprengbedarf, Lärm und Erschütterungen. Regiearbeiten erlauben eine an den Blockzuschnitt angepasste Taktung und minimieren Materialverluste.

Sondereinsatz

In sensiblen Umfeldern – Krankenhäuser, Labore, Betriebsanlagen – helfen erschütterungsarme Verfahren. Betonzangen für kontrollierte Kantenbearbeitung und Spaltgeräte für Bauteilentspannung senken Risiken für angrenzende Nutzungseinheiten.

Arbeitsvorbereitung und Schnittstellen

Eine klare Arbeitsvorbereitung ist der Schlüssel für effiziente Regiearbeiten. Wesentlich sind Standortaufnahmen, Zugangs- und Tragfähigkeitskonzepte, Medienfreischaltungen sowie ein abgestimmter Taktplan für Gerät, Kolonne und Entsorgung. Kurze Kommunikationswege zwischen Bauleitung und Kolonnenführung ermöglichen das flexible Umschalten zwischen Zangen-, Spalt- und Schneidverfahren.

Erkundung und Bauteilbewertung

Öffnungen, Sondagen und Bewehrungsortung reduzieren Unwägbarkeiten. So lässt sich rechtzeitig entscheiden, ob Betonzangen ausreichend greifen oder ob Spaltzylinder gesetzt werden müssen.

Zugänge, Logistik, Tragfähigkeit

Innentransporte, Deckentragfähigkeit und Lastabtrag bestimmen Gerätedimensionen und Schrittfolge. Hydraulikaggregate sind dezentral positionierbar, um Schlauchlängen kurz zu halten und Druckverluste zu minimieren.

Nachweisführung und Abrechnung im Regiebetrieb

Regiearbeiten erfordern eine saubere Dokumentation zur Transparenz für alle Beteiligten. Bewährt haben sich täglich gegengezeichnete Regieberichte, Aufmaße mit Lagebezug und Fotodokumentation der Teilschritte.

Typische Kostenelemente

  • Personalzeiten nach Qualifikation und Rolle
  • Geräteeinsatz (z. B. Betonzangen, Stein- und Betonspaltgeräte, Hydraulikaggregate)
  • Hilfs- und Betriebsstoffe, Verschleißteile
  • Rüst-, Umsetz- und Wartezeiten
  • Transport, Entsorgung und Zwischenlagerung

Aufmaß und Leistungsnachweis

Bauteilbezogene Aufmaße (Segment, Dicke, Bewehrungsgrad) erleichtern die spätere Auswertung. Übersichten zu Zangengriffen, Spaltzyklen und Schnittlängen unterstützen die Vergleichbarkeit zwischen Abschnitten.

Sicherheit, Gesundheit, Umwelt

Die Wahl erschütterungsarmer Verfahren (Spalten, Zangen) hilft, Erschütterungen und Lärm zu begrenzen. Staub wird durch Befeuchtung, Absaugung und saubere Schnittführung reduziert. Persönliche Schutzausrüstung, sichere Schlauchführung und Druckentlastung an Hydrauliksystemen sind obligatorisch. Rechtliche Vorgaben und anerkannte Regeln der Technik sind zu beachten; verbindliche Einzelfallbewertungen bleiben den zuständigen Fachstellen vorbehalten.

Produktivitätssteuerung unter Regie

Auch ohne starre Einheitspreise lassen sich Leistung und Qualität steuern. Wichtig sind klare Takte, definierte Tagesziele und ein schneller Gerätewechsel zwischen Zangen-, Spalt- und Schneidaufgaben. Kennzahlen wie Bauteildicke pro Stunde, Spaltmeter pro Schicht oder Zangengriffe pro Segment machen Fortschritte sichtbar.

Rüstoptimierung

Wechselbare Backen bei Scheren und Zangen, werkzeugnahe Aggregate und abgestimmte Schlauchlängen verkürzen Stillstände. Das Kolonnen-Setup sollte auf die dominanteste Tätigkeit (z. B. Zangenarbeit) ausgelegt sein und Spalt- oder Schneidaufgaben parallel bedienen.

Materialfluss, Sortierung und Recycling

Selektives Trennen beginnt am Bauteil: Betonzangen lösen Beton und legen Stahl frei; Stahlscheren trennen Bewehrung sortenrein. Spaltgeräte erzeugen definierte Bruchstücke, die sich sicher bewegen und gezielt verladen lassen. Saubere Fraktionen verbessern die Wiederverwertbarkeit und reduzieren Entsorgungskosten.

Typische Risiken und Gegenmaßnahmen

  • Unerwartete Bewehrung: Vorerkundung, Zangen/Scheren bereit halten, Spaltschema anpassen.
  • Beengte Zugänge: Handgeführte Zangen, kompakte Hydraulikaggregate, Etappenlogistik.
  • Sensible Nachbarschaft: Spaltverfahren priorisieren, Arbeitszeitfenster und Abschirmungen einplanen.
  • Unklare Leistungsgrenzen: Leistungsbeschreibungen präzisieren, Regieberichte täglich abstimmen.
  • Feuchte/Staub: Befeuchtung, Absaugung, geeignete PSA, rutschfeste Arbeitsflächen.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen im Regiebetrieb

  1. Bauteilaufnahme und Erkundung (Sondagen, Ortungen, Zugänge)
  2. Verfahrenswahl: Zangen-, Spalt-, Schneidstrategie definieren
  3. Geräte- und Kolonnenplanung mit Hydraulikversorgung
  4. Sicherung der Umgebung (Abschottungen, Schutz- und Leitungsmanagement)
  5. Probefeld und Taktdefinition, Feinjustage der Methode
  6. Serielle Abarbeitung mit laufender Dokumentation
  7. Zwischenabnahmen, Anpassungen bei geänderten Randbedingungen
  8. Sortenreine Trennung, Abtransport, Reinigung der Bereiche

Praxisbezug: Auswahlkriterien für Betonzangen und Spaltgeräte

Entscheidend sind Bauteildicke, Bewehrungsdichte, Zugänglichkeit und zulässige Erschütterungen. Dünnwandige Bauteile mit moderater Bewehrung lassen sich effizient mit Betonzangen bearbeiten. Bei massiven Querschnitten oder strengen Auflagen zu Erschütterungen empfiehlt sich das hydraulische Spalten. Kombinationen sind üblich: Zuerst Spalten zur Spannungsreduzierung, anschließend Zangen zum Abnehmen der Segmente und Freilegen der Bewehrung.

Dokumentation und Beweissicherung

Klare, knappe Berichte mit Lageplänen, Fotos und Zeitnachweisen erleichtern Abrechnung und Qualitätssicherung. Markierungen am Bauteil, nummerierte Abschnitte und Kennzeichnung der Spalt- oder Zangenfolge schaffen Nachvollziehbarkeit und unterstützen spätere Auswertungen zur Methodenoptimierung.